Kategorie: Personal

die schatten schneiden linien in die blätter / Gedanken

gedanken im filigranen spiel der baumkronen.
die schatten schneiden linien in die blätter.
der wind wäscht töne aus den blättern,
es rauscht,
rieselt.
sie wuseln durch die luft,
die kleinen nahezu plappernd, sprudelnd,
die alten erzittern nur gelassen.
alles, nur um im nächsten moment
statisch zu harren,
als wäre es nie gewesen,
du nur verträumt.
der teich spielt schatten –
sie wallen,
fallen so weich flirrend
über das schilf.
auch die wiese tanzt,
ständig wandelnde mosaike werden auf sie geworfen.
und ich,
ich sitze einfach nur da.

Urlaubsgedanken aus La Gomera

Sonnige und meersalzige Grüße und Gedanken aus La Gomera!

29. Juli

heute geht es los, weg und hin.
weg von wien, hin auf eine spanische insel.
dort erwartet mich nichts.
kein fancy hotel oder sandstrand, keine restaurants oder läden.
wlan oder empfang – eine seltenheit.
und doch erwartet mich alles.
all das meer, all die mangos und sonnenstrahlen.
und manchmal ist das nichts, alles.
alles was wir zum glück brauchen. /
a different kind of luxury.

30. Juli

the in between /
zwischen hier und dort,
noch nicht ganz weg, noch nicht ganz da.
irgendwo in der schwebe.
um mich – gewusel.
so viele emotionen clashen aufeinander,
vorfreude, heimweh, angst, vermissung,
all das scheint den flughafen fast zum überlaufen zu bringen.
und ich mitten drin, schwimmend, ertrinkend in meinen und den gefühlen der anderen,
die ich mich eindringen ohne vorher zu fragen.
so viele blicke streifen sich, abwesend, neugierig, peinlich berührt.
ein kind schreit. ein herr faltet seine zeitung und hustet einmal kräftig.
schon beim betreten trifft einen die luft, die es sonst nirgendwo gibt.
leises rauschen dröhnt in meinem kopf.
please fasten your seat belt.
dann das abheben.
der magen flimmert.
das herz scheint sich für eine sekunde wie eine brausetablette aufzulösen.
stunden wie fester kaugummi.
über denn wolken, kein entkommen.
die gefühlt langsamste schnelligkeit.
cabin crew prepare for landing.
das meer breitet sich vor meinen augen aus,
das herz hüpft.
we wish you a pleasant stay.
unruhe, jeder will raus, keine minute verlieren.
erleichterung.
die feucht warme luft ist wie eine wand.
trittst durch sie, beginnt der urlaub.
ich bin da. körperlich.
noch zuhause. gedanklich.
es scheint als würde mein inneres nicht mit der geschwindigkeit mithalten können und irgendwo festhängen.
erst stück für stück setzt sich wieder alles zusammen.
bis ich da bin. ganz da.

31. Juli

ein määh weckt mich. komisch wie wir menschen tierlaute transkribieren.
nun, ziegen. und das vor meinem fenster.
mehr und mehr gerausche dringen in mein langsames aufwachen.
ein alter ventilator zieht surrend seine runden über meinem kopf.
gibt es etwas schöneres, als zwischen schlaf und tag zu verweilen, wenn nichts drängt ?
frühstück. klebrige mangohände. das meer.
dann suche ich wlan, bekomme einen zettel.
username, passwort – enter.
nichts. enter.
instagram, mein text, bild.
ich bin ein harmoniebedachter mensch, aber warum verfickt lädt jedes verdammte bild zehn minuten. gedankliches haareraufen. aaaaah.
okay, einatmen.
ich kapituliere.
tue das warum ich hier bin. nichts.
liegen. lesen. lesen. lesen, lesen. liegen.
meeresrauschen macht mich emotional.
es schwappen wellen, um und in mir.
nach drehen und wenden – mittagessen.
das leben kann so hart sein.
dann ? lesen. ziemlich unbequem dieses stück plastik, die liege.
über steine geht es dem blau entgegen.
balance is key. as always.
warum ist es eigentlich am strand völlig okay, einfach nichts zu tun, doch zu hause ist man der faule sack und verschwendet sein leben?
wasser, ich fühle mich leicht. das salz trägt mich, oder fett schwimmt einfach oben auf. wie auch immer.
ich weiß, dass nasse haare nie so sexy aussehen, wie man denkt. verschwinde in die dusche.
spaziere ein stück den berg rauf – wieder kein netz. wie ein süchtiger starre ich auf den bildschirm bis ein elendiges E auftaucht. gibt es etwas schlimmeres als kein internet? ja, langsames. aggression vorprogrammiert.
abendessen. ich sitze zwischen zwei gesprächen, kann mich nicht entscheiden und sage dann gar nichts.
eine bar. wie armselig muss ich aussehen – do you want to sit with us? okay. small talk.
ich ? keine ahnung wo ich mit meinem leben hin will. history and politics. london. medizin irgendwas freiburg. aha.
tanzen. wakelnde arme, hüpfende knöchel.
wenn die paare verschwinden, ist es zeit zu gehen, alleine rumstehen, das muss nicht sein.
jeder mensch hat das recht auf würde.
dunkle salzige luft.
das surren des ventilators.
stille. ein paar grillen. willkommen auf la gomera.

1. August

war heute bei yoga mit volker.
habe losgelassen beim klang von kristallen, meinen elektromagnetischen fluss gefördert und die rolle der schönheit gemacht.
habe delfin, adler und krokodil geübt.
scheiße, ich war der ganze zoo, mann!
bin jetzt ziemlich erleuchtet.
musst dafür nur eeeentspann dein beeeecken machen.
damit ihr es wisst: alle wesen sind glück, zufriendenheit und schönheit.
und alles was dir geschieht isch rischtig für disch.
nächstes mal dann lachyoga mit ulrike.

2. August

ich fühle mich schlecht, weil es mir gut geht. paradox.
vergleichen macht unglücklich, du weißt das und ich auch. aus eigner erfahrung.
so fühlt es sich falsch an, hier all das „sonne, meer, mangos“ abzuladen, wenn die meisten die es lesen irgendwo arbeiten müssen.
ich möchte nicht, dass sie sich traurig fühlen.
doch vielleicht ist das um zu viele ecken gedacht.
also habe ich beschlossen, einfach das glück zu genießen und hier zu teilen, denn es währt ja nicht ewig.
ich wünschte ich könnte euch ein paar sonnenstrahlen und mangos vorbei schicken.
denn es ist auch okay mal glücklich zu sein, genauso wie traurig und das sollte nicht davon abhängen wie traurig oder glücklich andere sind.
eigentlich hat das nichts mit dem standort zu tun. ich war schon an den bezauberndsten orten sehr traurig und zuhause furchtbar glücklich.
wir sollten wieder lernen uns mit anderen zu freuen, ich weiß das ist manchmal schwierig, wenn man in einem loch sitzt. und manchmal geht es einfach nicht und ist auch okay.
dabei sollten wir nie vergessen, dass in den paar zentimentern bild nur eine halbe wahrheit liegt. //

what terrifies me most is how we
foam at the mouth with envy
when others succeed
but sigh in relief
when they are falling.
our struggle to celebrate each other is
what’s proven most difficult
in being human.
@rupikaur_

3. August

postkarten sind so eine schwebe in zeit und raum. du schreibst sie so im moment, wie sonst keine nachricht und trotzdem kommt sie erst tage später an, wenn sie schon fast vergessen ist.
ein zeichen aus den urlaub, ich hab an dich gedacht.
von einem kleinen gruß bis worten die den rahmen sprengen. ein schnörkeliges hallo.
leicht salzig von der meerluft und mit mangoflecken verseht landet sie dann in einem postfach.
es kean afoch mehr postkartn gschriebn!

5. August

sonne unter der haut /
der salzige wind wäscht die sorgen aus /
die hitze brennt die zweifel fort /
das meer rieselt im nacken /
der körper so voller wärme,
dass abends die haut glüht /
innere ruhe/
alles ist leicht

7. August

ich versuche,
versuche das glück
tief einzuatmen,
die sonnenwärme
in jede einzelne zelle einzufangen,
die salzige luft
tief in meine lunge zu inhalieren
die intensität der abendlichen oleanderfarbe
in gedanken zu speichern
die ruhe der sterne
in mir zu halten
den optimismus von romanen am strand
zu sammeln und festzuhalten
die zukunftsfreude nicht in angst schwappen zu lassen.
solange ich hier bin, ist alles vergessen,
alles gut.
denn ich weiß,
weiß wie dunkel die wintermonate sein können,
wie tief die kälte kriecht.
doch jetzt, jetzt ist alles gut.

8. August

über mir die schwärze. kleine lichtsprenkel.
der mond scheinbar kühl und rau.
diese weite, über meinem kopf, die so oft verloren geht.
diese weite, wenn alles sich wieder relativiert, ich da stehe – klein.
wenn alles einen bedeutungswandel erfährt, alles wieder zurecht gerückt.
eine bahn breitet auch vor mir aus, eine zukunftsidee.
das herz pocht.
das vertrauen wieder aufgeladen.
je schwärzer die luft sich färbt, konturen verwaschen von der nacht, desto klarer wird so einiges.
der nacken starr, ein vogel kreischt, mein
blick senkt sich langsam.
ich werde wieder darauf vergessen,
was nichts daran ändert, dass es da oben wartet, da ist.

11. August

ich habe gestern zwischen abschied und vorfreude verbracht.
der abreisetag naht und stellt alles auf den kopf, so wie die anreise.
so habe ich jedes stückchen in mich aufgesogen, mich in die wellen geschmissen, die salzige luft legte sich auf meine haut, die gedanken schon nicht mehr ganz da.
einfach mal offline gewesen.
abends dann in den himmel gestarrt, die sterne bestaunt und einfach still gewesen.
barfuß getanzt bis der muskelkater kam, gelacht und dann mit blasen an den füßen spät zu bett gegangen.
abschiede machen alles intensiver, jeder moment scheint so wertvoll.
doch trotzdem ist da auch vorfreude, freude auf die stadt und veränderung.
die reise geht weiter.

12. August

Mittlerweile bin ich in London angekommen und schicke euch auch von hier liebe Grüße –  Bericht folgt!

authentizität auf instagram / Gedanken

instagram, 25. 7. 17

für mehr klarheit, für mehr perspektive.
also, hier, das hier ist mein kleines profil im großen instagram dschungel.
hier lade ich meine gedanken ab, konserviere meine momente oder teile etwas, das mir wichtig erscheint.
alles ist authentisch, als einzelnes echt und doch nur ein kleines fragment vom großen ganzen das sich mein leben nennt.
mein feed ist nicht nur ein chaos, sondern auch stätig im wandel.
so war vielleicht früher fair fashion, nachhaltigkeit im vordergrund, jetzt drängen sich die reisen dorthin.
doch das sagt noch lange nicht, das mein persönlicher fokus so liegt.
denn nachhaltigkeit, ethische entscheidungen liegen mir immer noch am herzen.
nur outfits und ähnliches scheinen mir sinnentleert (und ich werd nicht gern fotografiert/hab niemanden der es tut).
städte, meer – ja, das gab es und wird in den nächsten wochen oft bei mir zu sehen geben.
doch sie dominieren nicht meinen alltag.
mein alltag ist, immer wieder diese straße entlang laufen, auf und aufwachen in wien, meinem zuhause.
doch immer das gleiche ?
nein, es ist doch viel schöner all die spektakuläreren momente zu fotografieren, fremdes einzufangen.
das da soviel mehr dahinter steckt, was es mir manchmal persönlich abnimmt dort hin zu kommen, das verschwindet schnell.
ich denke, was ich versuche zu sagen ist – urteilt nicht über menschen anhand von ein paar bildern und zeilen, seid nicht eifersüchtig oder eingeschüchtert und das sage ich vor allem mir selbst.
social media kann ein gefährliches spiel mit dem selbstwert sein, deshalb sollten wir uns immer wieder daran erinnern, das dieser nicht von herzen, daumen und zahlen abhängt.
das ist allein deine sache, an der du, dein innenleben und körper zusammen arbeiten.
das geht nicht von heut auf morgen, ich ertappe mich immer wieder, wie ich einem kommentar zu viel wert bei messe, doch der unterschied ist – es wird mir bewusst, ich erkenne mich selber dabei.
doch im grunde ist es etwas schönes hier diesen ort zu haben zum austausch, zur inspiration. den nur du selbst dir gestalten kannst, je nach dem welche menschen du in deinen virtuellen raum einlädst, aber es ist nicht alles und das ist auch gut so.

wer bin ich / Gedanken

Ich möchte gerne eine neue Serie hier einführen, wie ihr vielleicht wisst schreibe ich sehr gerne. Doch meine meisten Gedanken landen auf Instagram.
Da einige Leser kein Instagram lesen und ich meine Gedanken  auch hier festhalten möchte, beginnt heute die neue Serie – Gedanken. //

wer bin ich eigentlich? oh, so viele.
eine so simple und gleichzeitig tiefe frage.
ich habe das gefühl ich bin nicht eins, ich bin ein sammelsurium an arten, formen, tönen.
jeder ort bedeutet ein neues ich, eine neue schicht an persönlichkeit.
da ist die zurückgezogene stephanie, die still das meer geniesst,
die stephanie die durch all die fremden straßen läuft,
die wien-stephanie.
doch nicht nur die orte, auch menschen legen schleier über mein ich.
menschen aus der familie, schulzeit, freunde, ihr hier – online,
jeder bringt ein anderes ich zum vorschein.

all diese orte und menschen prägen mich, bilden mich schicht um schicht.
doch der kern, der ausgangspunkt, das bin nur ich, allein. bei mir und mit mir.
und nur, wenn dieses ich glücklich sein kann, können es all die anderen, dann zieht es sich durch alle schichten.

nun, das mag sich so anhören, als würde ich masken tragen, mein eigenes ich verbergen.
doch so ist es nicht gemeint, es steckt keine intention dahinter, sondern ist ein natürlicher prozess.
ich zeige mich, nur eben nicht alles. wir können gar nicht alles sein, zur gleichen zeit.
doch ist es nicht schön, sich immer wieder neu definieren zu können?
das erste mal, wenn du einen ort betrittst, einem menschen begegnest, kannst du dich ein stück neu erfinden, entscheiden wer du sein willst.
wieder zuhause lässt du diese hülle fallen, im wissen jederzeit wieder in sie schlüpfen zu können.
und so geht es durchs leben, schicht, um schicht, um schicht.
ob sie sich nun bilden, oder abfallen, das sei dir überlassen.
das bild wird immer klarer werden, doch im grunde kann nicht mal ich sagen, wer ich bin, weil ich es schlichtweg noch nicht weiß.
und ja – ich stecke in so vielen boxen und bin überseht von labeln.
die pflanzenliebhaberin, die veganerin, die junge, die stille.
und manchmal ist das schön, weil in diesen boxen tummeln sich leute, die einem ‚ich‘ von mir gleichen.
doch nur, weil wir uns in dieser einen box befinden, bedeutet das nicht, dass wir nicht noch in tausend anderen stecken.
also lass uns die boxen vergessen und einfach sein wer wir sind.
vielleicht finden wir es dann irgendwann heraus, immer aufs neue.

// don’t ever put yourself / let them put you in a box @ssein_

Poetry Slams für gemütliche Abende

Es ist ein verregneter Sommer und ich liebe es. Gibt es etwas gemütlicheres, als im Bett zu liegen, während draußen schwere Tropfen auf die Erde prasseln? Ach, und die frische, gute Luft, in der ein Hauch nasser Erde liegt.
Ein gutes Buch, ein Film oder eben Poetry Slams dürfen da nicht fehlen!
Also habe ich eine kleine feine Liste meiner liebsten Poetry Slams für euch zusammen gestellt.

Denn Anfang macht eine meiner all time favourite Poetinnen – Jule Weber. Holger und die Blumen ist ein wunderschöner Text, über den immer gleichen Alltag und den Wunsch, einmal daraus auszubrechen.

 

Der Titel „Die Orangenlimonade“, mit dem extra neu entwickelten Retro Design, verrät es schon – David Friedrich spricht von uns, den Hipstern und Alternativen und das auf eine sympathisch lustige Weise. Manchmal fühlt man sich ertappt und, über sich selber zu lachen, tut gut. Einer meiner liebsten Texte.

 

Till Reiners hat einen speziellen Humor – den mag man oder eben nicht. Ich tue ersteres und finde deshalb auch seinen Text zum Thema Dogmatismus und, warum Rechte und Linke manchmal falsch liegen, super.

 

Stimmungsvoller Text, tiefe Stimme – bei Tabakblätter und Fallschirmspringer von Patrick Salmen entsteht so ein inneres Gefühl, das man nur in eine Decke kuscheln möchte und nie mehr aufhören zuzuhören.

 

Nochmal David Friedrich mit der Antwort, was Schluckauf mit dem Aktzeptieren von sozialen und politischen Missständen zutun hat.

 

Und nochmal Jule Weber – diesmal über Vorurteile – ihre eigenen und die der Anderen. Ein sehr einfühlsamer Text.

 

Zum Abschluss ein relativ absurder Poetry Clip von – wie könnte es anders sein – Hinnerk Köln.

 

Genießt den Regen, ihr Lieben oder auch die Sonne, wie immer es kommt.

 

 

 

Wie ich zu einem nachhaltigen Podcast eingeladen wurde – Tonspur N

Wir alle kennen sie, die Zeit vor der Abgabe einer Arbeit. Keine Minute darf verschwendet werden, Stresslevel gleich 13252351451.
So wollte ich die sechs Stunden Fahrt von Wien nach Deutschland nützen.
Doch wie? Tja, da kommen dann Podcasts ins Spiel.
Ich stieß auf Tonspur N, den Podcast zu Nachhaltigkeit und CSR (Corporate Social Responsibility) von und mit Annemarie Harant, eine der Gründerinnen von Erdbeerwoche und Roman Mesicek,Studiengangsleiter des Master “Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement” und Nachhaltigkeitskoordinator an der IMC Fachhochschule Krems.
Wir, sie wussten zu dem Zeitpunkt ja nichts davon, verbrachten dann viele Stunden gemeinsam zwischen Österreich und Deutschland, ich, fleißig am Notizen für meine Abschlussarbeit machen und zuhören. Einige meiner Kapitel sind erst durch diese Informationen entstanden.
Begeistert schrieb ich ihnen eine Mail und wurde dann „schwups die wups“ zu einer Folge eingeladen, um darüber zu sprechen, wie man das Bewusstsein für Nachhaltigkeit unter Jugendlichen verschärfen kann und was das alles mit dem Internet zu tun hat.
Aufgeregt traf ich Annemarie zur Aufnahme des Podcast und seit 22. Mai ist nun die gemeinsame Folge auf iTunes online.
Also, wenn ihr Lust habt zu hören, wie mein nervöses Stimmchen seinen Senf zu Nachhachligkeit abgibt –  freue ich mich sehr!

Tonspur N, Folge 35 – die nächste Generation

auf …
Soundcloud
iTunes

Allen Ökotussis, Umweltfreaks und Menschen, denen die Zukunft dieses Planeten am Herzen liegt, kann ich den Podcast nur empfehlen.

Einige meiner Lieblingsfolgen:

Folge 34: Wir kaufen Nix – mit Nunu Kaller

Folge 32: Audienz beim Reparatur-Papst

Folge 24: Alltagstaugliche Ideen für eine bessere Welt – mit Thomas Weber

Folge 16: Frauen in der Nachhaltigkeitsszene

Folge 13: Ein Wirtschaftsmagazin für Nachhaltigkeit

Sei mal wieder kreativ!

Warum killen wir unsere Kreativität ? Wie und wann passiert das ?

Diese Frage ist mir bei diesen Post von @annaxwilde gekommen.
Ich habe überlegt – warum habe ich aufgehört Geige zu spielen, zu malen, den ganzen Tag zu lesen und zu schreiben ?

Ja, zum einen sind es die von ihr erwähnten „wichtigeren“ Dinge.
Wir geben Kreativität für andere „To Dos“ auf. Früher waren es die Hausaufgaben, dann die Arbeit, Erledigungen, der Alltag.
Wir messen ihr keine Priorität bei – sie ist eher Zeitvertreib, eine Spielerei ohne Zweck.

Sie ist eine Möglichkeit, kein Muss. Sie bringt uns nicht weiter im Leben. Oder tut sie das ?
Ich denke, wir vergessen dabei wie sehr sie das eigentlich tut. Denn betätigen wir uns kreativ, gewinnen auch unsere anderen Tätigkeiten. Der Kopf ist frei, mehr Energie für kreative Lösungen ist da und wir sind ausgeglichener.

Ja, vielleicht bleibt uns weniger Zeit, aber ich glaube, dass wir die Zeit dann viel effektiver und motivierter verbringen.

Und das ist keine gerade Linie – je öfter wir uns kreativ beschäftigen, desto mehr steigt unsere Kreativität.
Das klingt vielleicht verkehrt, aber Kreativität kann man üben.
Mir hat einmal ein Dichter erzählt, er schreibe jeden Tag, um so nie aus der Übung zu kommen. Und ich beobachte es an mir selber – je öfter ich schreibe, umso leichter fällt es mir, umso mehr Spaß habe ich dabei.

Doch ein weiterer Kreativitätskiller liegt gerade in deiner Hand.
Als ich klein war, war mir oft langweilig. Ich war dadurch gezwungen kreativ zu werden und verbrachte so ganze Tage malend, lesend.
Und eines kann ich dir sagen, Langeweile ist der beste Freund der Kreativität.

Ist uns langweilig, ist der Kopf frei, wir haben nicht in den Hintergedanken, was wir alles stattdessen tun sollten.

Doch – wann war dir das letzte Mal langweilig? Ich kann mich nicht erinnern und auch nur bei dem leisesten Anflug – das Handy, der Computer griffbereit.

Das diabolische Dreieck – Instagram, Facebook, YouTube – jederzeit da, um deine Zeit zu fressen. Das ist auch für unsere Konzentration ein echtes Problem.
Arbeiten wir ungestört, kommen wir nach 15 Minuten in einen Flow – den „Zustand völliger Vertiefung in eine Tätigkeit“ , wir fühlen uns „konzentriert, weder unter- noch überfordert, zeit- und selbstvergessen“ und vor allem eines – produktiv.

Doch wie soll das passieren, wenn wir durchschnittlich jede 18 Minuten vom Handy unterbrochen werden, laut Informatiker Alexander Markowetz. Ich glaube, es ist in meiner Generation noch wesentlich öfter.
Kennen wir nicht alle diese WhatsApp Gruppenchats – unnötiger als unnötige Nachrichten, die unsere Konzentration stehlen.

Doch mit der erhöhten Handynutzung steigt nicht nur die Zahl an gestressten, depressiven Leuten, sondern es leidet eben auch unsere Kreativität.

Auch, wenn es sich nicht so anfühlt, haben wir viele freie Minuten am Tag.
Wenn wir auf die Straßenbahn warten, wenn wir von einem Termin zum nächsten spazieren, wenn wir essen.
In all dieser Zeit könnten unsere Gedanken frei streifen. Doch es kommt nicht dazu, weil wir unser Handy in der Tasche spüren, weil wir während dem Abendessen eine Serie anschauen.

Wir minimieren unsere Zeit fürs Nachdenken, wie es nur geht. Das geht so weit, dass es schon fast unangenehm ist, alleine in der Stille zu essen, ohne Musik zur Straßenbahn zu gehen.
Wir haben die Stille zu fühlen verlernt.
Vielleicht macht es uns ja auch unbewusst Angst unseren Gedanken freien Lauf zu lassen. Denn dabei könnten ja unsere Gefühle zum Vorschein kommen. Oder Kreativität entstehen.

Mit der Störung der Konzentration, verlernen wir auch die Geduld. Wir müssen ja heutzutage nicht mehr wirklich warten, wir können es uns ja gar nicht mehr leisten zu warten.

Don’t you know how busy and important I am? I got so much to do.

Maybe I’m just trying to distract myself from my mortality.
Oh I’m too busy to see the sky
I’m too busy to know
Too busy to fly
Too busy to die
Too busy to rest my soul “
– Tom Rosenthal

 

Unsere Wartezeiten verbringen wir am Handy. Sitzen wir vor einer schriftlichen Aufgabe, der Kopf scheint gerade leer – Handy her. Wir haben nicht mehr die Geduld, Leere auszuhalten.

So kann Kreativität frustriert sein, denn manchmal wird es nicht so, wie wir uns es vorstellen, wir müssen geduldig weitermachen, üben. Ich denke, Kreativität lehrt uns Geduld.
Zum Beispiel Kalligrafie ist anfangs eine Herausforderung an unsere Geduld, doch bleiben wir dran, kommen wir in den „Flow“, ist es herrlich entspannend und konzentrationsfördernd zugleich.

Vor ein paar Wochen war ich bei einem Digital Detox Camp der Wurzelwerkstatt, ein anderes Mal mehr darüber. Aber der „Handy-Entzug“ und das gemeinsam kreativ sein, hat wahnsinnig gut getan.
FOTOS: Maximilian Salzer

Meine kreativsten Momente sind immer unvorhersehbar. So bin ich am Heimweg und muss kurz in den Straßen  stehenbleiben, um die Abschlussrede, die mir soeben in den Kopf geschossen ist, nieder zu schreiben.

Irgend ein Haus, ein Blatt hat meine Kreativität entfacht. Denn ist unser Kopf einmal frei, der Körper beschäftigt, fällt uns einiges ein. Und manchmal nichts. Aber das ist auch okay. Kreativität ist nicht planbar, Kreativität passiert. Wir können nur die richtigen Gegebenheiten schaffen. Wir können uns vor ein weißes Blatt setzten, das Handy weit weg.

Schlussendlich sollten wir der Kreativität wieder mehr Wert beimessen, wir sollten sie und ihre Effekte zelebrieren, genießen und vor allem eines – sie praktizieren.
Egal ob mit Farbe, Buchstaben oder in unseren Gedanken.

April Playlist oder ich wundere mich über die Menschheit

Ich finde, Musikgeschmack ist etwas sehr persönliches. 
Spiele ich jemanden Musik vor, bekomme ich Selbstzweifel – gefällt es ihr ? Habe ich mich jetzt als uncoole Socke geoutet? 
Deshalb ist es eigentlich ein Witz, hier Musik Tipps zu posten. 
Allerdings; liest das hier überhaupt irgendjemand ? Wenn, ja schreib mir mal ein Kommentar, damit ich weiß, dass du hier warst 😉

So, here we go – die April Playlist.

Ella Grace – She und Away from here

Ella Grace Denton folge ich schon seit, ja wie lange eigentlich ? Langem auf Instagram.
Sie wird beschrieben als ‘blissful bohemian sun baby’. Sie ist eine sehr sensible, empathische Persönlichkeit, die diesen Winter mit einer Depression kämpfte. 
Ihr Instagram Account dreht sich um ihre Liebe zu Heilsteinen, ihrem ’Sleepy Dog’ Lola, Female Empowering, Second Hand Mode, veganem Essen, Mental Health und natürlich Musik. Was mich wieder auf den Punkt bringt. Am 2. April hat sie ihre ersten Lieder veröffentlicht. Sie sind sehr ruhig, mit Meerrauschen im Hintergrund. Ich mag ihre brüchige Stimme sehr gern.
Es ist mal wieder ein Beispiel wie Social Media die Welt verändert. Ella hat ihre Lieder mit Musiker Freunden aufgenommen, ohne teures Tonstudio. Und doch klettern diese zwei Lieder dank ihrer Bekanntheit auf Instagram die Charts hoch.

Von Wegen Lisbeth – Grande

Eigentlich sollte das Album „Grande“ von „Von Wegen Lisbeth“ ja auf meinem „Ist deutschsprachige Musik eigentlich cool“ Post landen, aber, wenns zu spät ist, ist es zu spät. Also hier. Gute Laune Musik, lustige Texte. 
Auch als Musik zum Laufen gehen ( für Leute wie mich, mit null Kondition und einem Schweinehund, der einem Wildschwein ähnelt ) erprobt. So gut, dass ich jetzt jeden Tag jogge, ist sie allerdings auch nicht. Ich bleib bei meinem Yoga und den Workouts.
Hört doch mal zum Beispiel in „Meine Kneipe“ , „Milchschaum“, „Drüben bei Penny“ oder „Wenn du tanzt“ rein.

Wiener Blond – ZWA

Meine treuen Leser (hallo Mama und, ja wer eigentlich sonst ?) wissen, dass ich Wiener Blond mag. Deshalb taucht ihr nun nicht mehr ganz so neues Album ZWA hier nochmal auf.
Zum Beispiel „Süsser“.

Granada – Eh ok

Um bei den Wienern zu bleiben – Granada. Die sind eh ok.

Juse Ju – Übertreib nicht deine Rolle

Ich halte ja sehr wenig von der Österreicher-Deutsche Hassbeziehung, denn ich bin die lebendige Vereinigung der beiden. Mehr Österreicherin als Deutsche – aber ich muss sagen, es sind beide halt einfach Menschen, mit mehr oder weniger liebenswerten Spleens. Deshalb hier auch mal ein Deutscher – Juse Ju! 
Apropos Deutsche:

Anarchie und Alltag – Die Antilopen Gang,
Konzert in der Arena Wien

Platzangst und Rap Konzerte sind eine interessante Mischung. 
Ich leide jetzt nicht akut darunter, aber so einen Anflug davon konnte ich schon verspüren, als ich auf dem Antilopen Gang Konzert in der Arena Wien war. 
Es begann sehr entspannt. Juse Ju als Vorband, die Leute kamen langsam ‚in den Modus‘. 
Dann warten auf die Antilopen. Wieso muss man auf Konzerten eigentlich immer warten ? Es ist ja nicht so, dass die Musiker zehn vor neun erfahren, dass sie heute in der Arena spielen sollen. Naja hier hängt meine uncoole Socke wieder raus, ich seh’s schon. 
Es beginnt und wir sind mittendrin. Alles okay, Spaß und so. 
Als sich dann die Menge teilt und nach dem Countdown aufeinander zu rennt, ziehe ich meine Freundin schnell an den Rand. Während ich da stehe, vor mir qualmende Menschen, hinter mir Gras aufsteigt und betrunkene Füße auf meine steigen, wundere ich mich über die Menschheit. Stell dir die Menschen mal objektiv vor, so als wären sie Tiere. Wir bezahlen Geld, um uns in dunkle, enge, stickige Räume zu zwängen, betrinken uns, schauen uns fremde Menschen, die auf der Bühne hüpfen, an und fühlen uns ihnen nahe. Und das komische – es macht uns Spaß! 
Naja mit Pfeifen im Ohr und einer Erfahrung reicher mache ich mich also wieder auf den Heimweg. Und ich muss sagen, auch mir hat es eigentlich ein bisschen Spaß gemacht.
(Hört doch zum Beispiel mal „Pizza“ )

Martin Tingvall – Distance

Ein starker Kontrast zu den Antilopen und Juse Ju.
Widmen wir uns dem Jazz.
Die Platte Distance von Martin Tingvall habe ich im hamburger Plattenladen Hanseplatte gekauft. Besonders schön finde ich die Hintergedanken zu diesem Album, hört euch unbedingt die Erklärung von Tingvall an. Er spricht darüber wie er wieder Ruhe in den gestressten Alltag bringen möchte. Und das schafft er – beim zuhören kommt man runter. Die Inspiration für „Distance“ holte sich der Schwede in Island.
Für mich ist es aber vor allem eine Hamburg Erinnerung. 
Um bei Jazz zu bleiben:

Ensemble du Verre – Rooms

Sehr sanfte und gleichzeitig interessante Musik. Wurde mir auch in Hamburg bei Hanseplatte empfohlen. Mir gefällt es ganz gut und euch ?
Apropos Interessant und experimentell. ( #überleitenkannich)

Squalloscope – Soft Invasions

Entdeckt habe ich Anna Kohlweis, weil sie Sophia Hoffmanns Kochbuch „Sophias vegane Welt“ illustriert hat. Mittlerweile folge ich ihr auf Instagram (Sie macht dort super „Alltagsillustrationen“ auf Fotos) und habe ihre Musik, die sie unter dem Namen Squalloscope veröffentlicht, gehört. Die Musik ist mal etwas anderes, experimentell. Mich würde sehr interessieren, was ihr darüber denkt. Sehr schön finde ich auch ihr Musikvideo zu Hips and Envelopes.

Altes ausgraben und tanzen

Ein weiterer Tipp für diesen April und eine Notiz an mich selbst – oldies sind manchmal wirklich goldies. Bei schlechter Laune hilft es manchmal alte Platten oder Lieder rauszukramen und die souligen Töne durch den Körper fließen zu lassen. 
Besonders an grauen Tagen, wenn sich mal wieder die Wäsche türmt und aufräumen an der Reihe ist oder einem einfach nach tanzen ist. 
Wer keine alten Platten hat, oder früher einfach keinen guten Musikgeschmack hatte, könnte zum Beispiel auf die Feelin Good Playlist von Spotify zurück greifen.
Den ‚Please Like Me Fans‘ unter euch würde ich zu diesem Punk „5, 6, 7, 8“ von den Steps empfehlen oder „I’ll be fine“,  if you know what I mean 😉

Musik zum Kochen

Kochen und Musikhören – zwei meiner liebsten Beschäftigungen. 
Ich lebe ja eher nach dem Motto „Man sollte die passende Musik zu jedem Anlass haben“ als 
„Man sollte die passenden Schuhe zu jedem Anlass haben“. Wer braucht schon Schuhe? 
Deshalb sollte man auch für das Kochen die richtige Musik haben. Ich höre ganz gerne internationale Musik, zum Beispiel die Musik von dem Putumayo Verlag. Das erinnert mich immer an den Laden, in dem ich einmal gearbeitet habe – da lief das ständig.

Instagram gehirnwäscht meine Musik und Spotify Playlists


Wir alle denken, wir sind unabhängig, individualistisch. Dabei werden wir ständig beeinflusst. Ich mache mir da keine Illusionen, ich lebe in einer Blase. Jetzt ist es so weit gekommen, dass auch meine Musikauswahl davon geprägt wird. 
Auch Spotify stellt mir schon „Meinen Mix der Woche“ zusammen, der gruselig treffend ist.
Empfohlen wurde mir da zum Beispiel:

Tom Rosenthal

Schmieds Puls – I care a little less about everything now

SIND – Deine Magie

Bender and Schillinger – Rendezvous

Sufjan Stevens – The Only Thing

The Green Apple Sea – Northern Sky

Schreibt mir gerne in den Kommentaren, was ihr im April so hört.

Sie sind wiedergekommen – meine Panikattacken

Ich dachte, ich hätte sie hinter mir gelassen. Doch dann kamen sie zurück. Sogar ziemlich heftig. Meine Panikattacken.

Sie haben mich zweifelnd, verunsichert und müde zurückgelassen. Mich aus der Bahn geworfen.
Wie Jaqueline von minus.gold es ausdrückt: „es ist keine Kunst, es ist Zwang“ ; so fühle auch ich diesen Zwang, diese Worte zu schreiben. Um mich mit ihnen wieder zu sammeln, los zu lassen und auch zu erklären, was ich vielleicht nicht kann, wenn ich dir in die Augen schaue.

Meine Panikattacken – eine nächtliche enge Erinnerung, Luft schnappen. 
Natürlich bin ich die letzten zwei Jahre nicht sorgenlos durch mein Leben getanzt, da waren beklemmende Gefühle, Angst und Trauer. Aber fließend, gehend, kommend. 
Aber da war keine Steigerung, kein Muster, keine Attacke. 
Vor drei Tagen kamen sie. So als hätten sie auf den Moment gewartet, in dem ich sie am wenigsten erwartete. Zweitausendsechzehn – fast nie krank, gut drauf, aus dem Häuschen gekrochen und Leute getroffen, neue und erfreuliche Projekte in Arbeit. Ebenso Januar siebzehn.

Sonntag.
Familiäre Anspannungen. Morgen fangen die letzten acht Wochen in der Schule an, die ich seit meinem sechsten Lebensjahre besuche.
Meine Mutter erzählt, dass sie morgen ein Gehirnscan machen muss, Möglichkeit eines akustischen Neurinoms. Was ist das ? Google. Meist gutartiger Tumor.
Mein Herz zieht, mein Bauch krampft. Meine Hauptangstquellen – Tumore und Familie. Ganz schlechte Kombination für meine Gedankenspirale.
Erstmal unterdrücken und überspielen. Was essen wir ? Ich geh dann mal Haare waschen.

Einige Stunden später. Auf der Suche nach …. Google. www.krebs… was ist ein Neurinom.
Atmen, atmen. Mein Bauch fährt Achterbahn. Ruhig bleiben. Positive Gedanken. Selbst wenn, gutartig. Gaanz ruuhig. Panik, Panik, Panik.

Erstmal Leute anrufen, die mich beruhigen könnten.
Teilnehmer nicht erreichbar, versuchen sie es später erneut.
Panik, Panik.
Erstmal Zähne putzen. Auch die liebste Serie kann mich nicht mehr ablenken.
Ins Bett, schlafen, klingt gut. Sicher.
Da liege ich also, eine Panikattacke nach der anderen rollt an.
Ist sie da, zittere ich am ganzen Körper. Mir ist übel, muss ich mich übergeben ? Vielleicht.
Mein Herz ist eng, wo ist all die Luft geblieben? Langsam ein- und ausatmen. 
Das ist alles, was noch geht. Mir ist heiß, ich schwitze und doch sind die Hände so kalt. Ich brauche Luft.
Wie können meine Gedanken meinem Körper solche Schmerzen zufügen ?
Ich kann nicht klar denken, das worst-case-scenario des worst-case-scenarios läuft auf Dauerschleife. Ich werde das Jahr nicht schaffen. Ich haaalte das nicht mehr auuus.
Ich kann nicht mehr. Hilfe.

Es ist vorbei. Zehn Minuten Ruhe. Zehn Minuten relativer Optimismus. 
Denk an die Statistik. Wie wahrscheinlich ist es ? Luft holen. Alles wird gut. Die Gedanken entspiralisieren sich. Ich werde ruhiger..

Atmen, Atmen, Atmen, Luft, Luft, Luft. Das Leben ist keine Statistik, was, wenn doch, und dann werde ich, sie wird, nein, bitte nicht, ich spüre etwas schlimmes, warum sollte es uns nicht passieren ?
Eine neue Attacke ist da und ich mitten drin. Blick auf die Uhr, weitere zwanzig Minuten, das schaffst du, aber, aaaaaaah, warum tut das Herz so weh, Angst ist so verdammt unangenehm. Warum tust du dir das selber an? Warum kann ich nicht positiv denken.
Scheiß inspirational quotes auf Instagram, warum funktioniert ihr nicht im wahren Leben ?
Eeeein und aaaus, atmen. Ich hatte schon viele, aber waren sie immer so schlimm ?
Ich hatte schon ganz vergessen, vergraben. Doch, waren sie.
Als ich das erste Mal mit meinem Vater allein im Urlaub war, nach der Trennung, erlebte ich die erste. Ich war überzeugt, sterben zu müssen, ich wusste nicht, was da passiert.

Panik, Panik, Panik. Denk daran, du musst atmen. Du bist das doch gewöhnt, du kannst damit umgehen.
Wieder zehn Minuten Pause. Über alltägliches Leben reden. Bloß morgen nicht erwähnen.

Und dann geht es wieder von vorne los. Mir ist so verdammt schlecht, meine Muskeln sind erschöpft vom Zittern, meine Gedanken ausgelaugt vom ständigen im Kreis drehen.
Ein Versuch zu schlafen. Ein Fehlversuch. Bis in die Morgenstunden, Panik, bisschen Ruhe, Panik, Panik.

Montag.
Ein Wecker. Habe ich geschlafen ? Jetzt ist alles vorbei. Es ist ein neuer Tag.
Aus dem Bett, die Gedanken erwachen. Nein, die Angst, sie ist noch da.
Ein Versuch von Normalität. Trockenes Brot und Tee. Ein Schluck, ein Biss. Das geht nicht, nichts will da runter.
Alleine Zuhause sein ? Oder in die Schule, versuchen zu funktionieren ?
Bett. So viel Müde, so wenig Entspannung.
Ich verstecke mich hinter dem Leuchten von Bildschirmen. Warten ist das schlimmste. Die sonst rasende Zeit schleicht. Youtube, kannst du nicht die Zeit wie sonst auch fressen ?
Jedes Klingeln ein Schreck. Ist es die Nachricht ?
Nachmittag – es piepst.
völlig. unauffälliger. Befund. Die besten drei Worte. Kann das möglich sein ?
So viel Erleichterung. Ich liege im Bett, schaue aus dem Fenster. Mein Kopf fällt zu Seite. Schlaf.
Aufgewacht, was ist real ? Ich kann wieder essen.
Ich bin wieder da, zurück im Alltag. War ich weg ? Was ist die letzten vierundzwanzig Stunden passiert ?
Gespräche, es geht mir gut. Es ist vorbei.
Ich sitze in der Sonne, Freude auf den Sommer.
Eine Autofahrt. Komisch, alles ist gleich, die Leute leben noch wie vorgestern. Alles läuft.
Morgen geht’s wieder in die Schule, alles wie gehabt.

Montagabend. Mein Körper hat Muskelkater von der Anspannung , ich bin so so müde. Ich kann nicht einfach wieder funktionieren. Ich brauche Erholung.
Niemand fragt nach. Fehle ich ?
Ich warte bis spät nachts mit dem schlafen. Will erst zur Ruhe finden, wenn ich fast umfalle und keine Ängste mehr Platz haben.
Eine traumhaft traumlose Nacht, ausschlafen.

Dienstag.
Frühstück, ein Tag Zuhause. Schreiben, Listen, erledigen. Yoga. Einfaches Abendessen, keine Energie für Kreativität. Ein warmes Bad. Eine gute Serie. Ein Versuch früh schlafen zu gehen, ich muss morgen früh raus. Der Rhythmus ist verloren gegangen.

Mittwoch.
Aufstehen, Schule. Hallo. Ach, krank gewesen ? Hm, ja. Hast nichts verpasst. Ihr auch nicht. Fast. 
Ein Schweigen – Schutz oder Einfachheit ?
Funktionieren, Stunde nach Stunde. Geht eigentlich. Komisch hier zu sein. War ich denn so lang weg?
Geschafft.
Singunterricht. Danach geht es mir immer besser. Beim Singen merkt man sofort, wie es einem geht. Angespannter Kiefer, Mund bleibt zu. Konzentration kurz, wenig Selbstvertrauen.
Es bringt einen ins Fühlen. In den Körper. Das ist wichtig. Atmen.

Heimweg. Beschwingte Musik. Dieser Drang zu schreiben. Bett. Leuchten im Gesicht. Schreiben. Weiter leben. //

Dieser Text ist für euch, aber auch für mich. Ich wollte nochmal darauf eingehen, wie sich Panikattacken anfühlen.

Ich weiß nicht genau, warum sie gerade jetzt wieder gekommen sind. Vielleicht wegen des Gehirnscans, meinem erhöhtem Stresslevel, weil ich durchs posten in die Vergangenheit eingetaucht bin, weil ich noch ein paar Sachen aufarbeiten muss oder einem Hormonmix im Kopf. Wahrscheinlich wegen allem und nichts.
Es hat mich aus der Bahn geworfen. Oder vielleicht auf die Richtige geschleudert ? Ich bin wieder mehr am Nachdenken und Fühlen. Ich zweifle. Ich relativiere wieder was schlimm, was wichtig und gut ist.
Ich muss wieder in den Fluss des Lebens, weg von der Angst vor Leben und Tod.

Ich habe erkannt, dass das Leben nicht linear ist. Manchmal wirft es einem wieder zurück, manchmal hat man Rückenwind und manchmal verliert man sich im Strom. Aber das ist auch okay so. Man muss nur acht geben, sich nicht in eine abfallende Spirale zu begeben.

Während dem Matheunterricht dachte ich mir einmal; „Manchmal fühle ich mich streng monoton fallend wie eine Funktion. Aber dann erinnere ich mich, das selbst die einen Wendepunkt hat“.

Ich denke, ein Problem ist, dass wir unsere Emotionen zu sehr beurteilen. Negativ, positiv – was heißt das schon? Probiere einmal sie einfach anzunehmen und zu fühlen. Aber dazu ein anderes Mal mehr.
Wir identifizieren uns mit ihnen, dabei hilft es schon manchmal statt „ich bin traurig“, „ich beobachte Traurigkeit“ zu sagen.

Schön war, dass ich innerhalb der letzten drei Tage tiefe Gespräche geführt habe. Gar nicht mit den Personen, mit denen ich es erwartet habe. Ein Mensch hat mir von sich erzählt, was ich niemals gedacht hätte und was mir sehr geholfen hat. Manche waren einfach verständnisvoll andere ruhig. Andere abwesend. So lernt man die Menschen ganz neu kennen.

Jetzt wird mein Leben wieder weitergehen. Es hat ja nie aufgehört. 
Werden die Panikattacken wiederkommen ? Vielleicht. 
Hält mich das vom Spaß des Lebens ab ? Nein.

Ich hoffe, dir mit diesem Text auf irgendeine Weise geholfen zu haben. Erzähle mir doch von mir, wenn du magst, schreibe mir.

Béchamelsoß‘ und andere Behinderungen

Wann hast du das letzte Mal einfach gesagt, was du meinst ? Einfach radikal ehrlich und ohne Scheu?

Wann hast du das letzte Mal einfach getan, wonach dir ist ? Egal ob es gegen die Norm oder Benimmregeln ist ?

Wann hast du das letzte Mal jemanden einfach nur kennengelernt ? Ganz ohne Vorurteile ?

Siehst du, genau das ist das Problem. Wir überdenken immer alles und jeden.
Bei Menschen mit besonderen Bedürfnissen ist das anders.
Die behindern sich nicht mit Hintergedanken, Vorurteilen oder Scham. 
Nein, so behindern nur wir uns, wir gesunde Menschen.
Ich habe das erlebt während meines Sozialpraktikums in der Dorfgemeinschaft Breitenfurt.
Die Menschen dort waren einfach natürlich und ehrlich.

Und das hat manchmal zu sehr witzigen Situationen geführt.
Béchameeelsoß´
, damit wurde ich schon morgens um halb neun begrüßt, denn Essen ist Isi´s joie de vivre.
Manchmal war es auch nervenaufreibend. Béchamelsoß´, Béchamelsoß´, Béchamelsoß.

Aber es war erfrischend anders. Jeder Mensch dort ist so einzigartig, dass gar keine Vorurteile entstehen können, weil man jeden ganz neu kennenlernen und sich auf ihn einstellen muss.

Wie wäre es also, wenn wir ehrlicher wären? Wenn wir zulassen würden, einfach so zu sein, wie wir sind?