Viertel

Die Bäckerin zeigt auf das Brot. „Halber Kilo“. Ich sage viertel, bitte und weiß schon jetzt, dass ich Zuhause weinen muss. Wieso gibt es kein Achtel. Wieso gibt es so viel Achtel, aber nicht aus Roggen. Ich gehe nach Hause. Das ist so scheiß viel Brot. Es wird neben dem Toast landen. Gefroren. Ich will doch nur etwas Wärme.
Du musst dich erst selber lieben sagen sie und gehen dann mit Schatzi zu einem wilden Sektempfang. Positiv denkt und manifestiert euch ins Knie denke ich und lächle ein Ja.
„Weißt du, das kommt von ganz allein, das passiert einfach weißt du?“ „Wars nicht so, Schatzi, so wars doch?“ Ich muss ein bisschen lachen, das habe ich mir bis Silvester 2015 auch immer gesagt. Same procedure as every year.
Dann gehe ich, das Viertel wartet. Selbst gefroren ist mir das lieber als Kosenamen die auf i enden und kosen ist sowieso eines der grindigsten Wörter die ich kenne.

Bald ist morgen und dann wieder und wieder. Ich perfektioniere die zu kochende Menge an Nudeln für eine Person und Klopapier habe ich jetzt auch im Vorrat. Läuft doch gut, sage ich mir und mir fällt gar nicht mehr auf, dass niemand zuhört.


Professor  M. rudert immer mit seinen Armen durch die Vorlesung. Er führt sie hoch bis zum Kinn, lässt sie fallen und der nächste Kreis beginnt. Es sieht aus als wollte er seine Gedärme aufwirbeln. In denen schwimmen bestimmt warm vorgekaute Formeln. Das ist nicht die Form von Wärme die ich wollte. Ich hypnotisiere seine Hände bis mir ein bisschen schwindelig wird, er ergötzt sich an Exeldateien. Ergöözt. Mit schiefen Kopf stelle ich mir seine Kinder vor.
Danach gehen wir noch ein Käffchen trinken, also nicht Herr M., sondern die anderen und ich. Niemand trinkt Kaffee, Tee ist alles was dieser Tag verträgt. Kuchen bestellen wir auch nicht, dazu kennen wir uns nicht lang genug. Es ist die Phase in der man vieles bejaht, dafür muss man später mit schlechten Filmeabenden büßen. Aber später ist ja nicht heute. Ich nicke.
Freitags gehe ich ins Museum, die Bilder sind die gleichen wie immer. Zumindest kann ich jetzt pejorativ sagen statt oasch. Es lebe die Uni.
Der Unterschied zwischen inter- und transdiziplär ist für mich noch eher diffus. A scho wurscht. Beide machen Sätze exorbitant distinguierter, ja nahezu formidabel adäquat, weniger diametral, beinahe eminent differenziert. Seht her, wir kotzen euch unsere Weisheit noch unverdaut und sauer vor die Füße und zahlen dafür nur 19 Euro pro Semester. Ein brachiales oasch finde ich trotzdem noch besser. Wenig ist prädestiniert für so vieles. Ich gehe nach Hause.

Es ist Herbst und ich kann die Vorhänge schon früh zu machen und am Sofa sitzen. Nicht das ich das im Sommer nicht mache, das Sitzen. Meine Fenster schwitzen, also eigentlich meine Wäsche, aber die müssen es ausbaden. Baden nicht gerade, bisschen perlen vielleicht. Nach einer Weile beginnen meine Knie immer weh zutun, weil ich sie so an mich quetsche. Irgendwann merke ich das nicht mehr. Ich habe etwas gefunden, irgendwo zwischen Mensa und Bimstation. Und deshalb spüre ich meine Knie jetzt nicht mehr. Ich würd jetzt nicht sagen, dass ich mich gefunden habe. Eher etwas, das sich besser lebt, als die sonstige präpotent graue Blase. Das für immer nicht mehr ganz so beengend macht und zwischen Farben wohnt.  Läuft doch ganz gut, denke ich mir und es hört immer noch niemand zu.

Im Bus kippt ein Mann über seinen Papieren weg und ein Mädchen fragt, welcher denn ihr längster Finger wäre. Der Ring soll ja nicht runterfallen. Süß.

Meine Knie quetsche ich jetzt öfter und verlerne wieder ein paar affektierte Wörter. Immerhin weiß ich jetzt, welches die ganz bösen Äpfel sind und, dass die Risikoforschung auch innerhalb der Neoklassik möglich ist. Zumindest aufgeschrieben habe ich es. Es lebe die Uni.

Mittwochs tut meine Hand weh. Bisschen viel illustriert, sage ich lachend. Hat doch was geil erhabenes. Donnerstags ist es nicht mehr geil und meine Sehnen entzündet.
Weißt du, man weiß nie wofür etwas gut ist sagen sie und gehen dann zum Punschstand mit Schatzi Nummer zwei. Positiv denkt euch doch alle selber. Ich betrete das Orthopädie Geschäft, man kann gar nicht anders als den Namen einzuatmen. Santitätshaus.
Zuhause stapelt sich alles und der Kühlschrank riecht nach müder Petersilie. Ich sitze am Sofa und spüre meine Knie. Das geht doch mit links ist das bescheuertste Sprichwort und ich verfluche geschlossene Gläser. Die Bäckerin macht mir den Geldbeutel zu. Meine Haare fliegen in alle Richtungen und ich kann nichts dagegen tun.

Ich gehe nach Hause. Weine über Quarkumschläge und Verpackungen. Muss mich wenigstens nicht abschminken. Läuft irgendwie nicht so gut sage ich und merke, dass niemand zuhört.

Melde mich von Prüfungen ab und ein Gewerbe an. Kaufe ein viertel Brot, bisschen Platz im Gefrierfach ist noch.

Abends treffe ich jemand von früher. Er ist ein bisschen betrunken, ich nicht. Ich lache ein bisschen lauter, damit es nicht auffällt. Er zeigt mir sein neues Tattoo und ich frage, ob er sich dadurch wirklich mehr Frauen erhofft. Das ist das wichtigste, die Liebe, weißt du? Hm, ja.
Ich denke an Quark und die Kinder von Herrn M. Dann gehe ich nach Hause.
Esse hartes Brot, niemand hört mir zu, aber zumindest habe ich keinen Löwentattoo über meinem Bauchnabel. Manchmal läuft das doch ganz gut. Und manchmal oasch, aber auch das ist legitim und zur Not manifestiere ich mir einmal heftig ins Knie.

Kategorie Geschichten, Kopf

Ich heiße Stephanie Anouk Doujak. Aus meiner Abschlussarbeit über Nachhaltigkeit im Alltag und Medien Kommunikation ist dieser Blog geworden, mit dem ich mir auch einen großen Traum erfülle und hoffentlich auch dich zum träumen bringe.

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