Kategorie: Gedichte

Enden ohne Punkt

ich atme enden ohne punkt
verschlucke mich gegen 3
dagegen hilft
decke in die gassen hängen,
handtücher im schleudergang.
atmen – zu.

meine schultern sind endlich wieder angespannt.
atmen – auf.

blauer lippenstift,
tanzen bis deine hände aus meiner taille fallen.
atmen – hoch.

in der innenseite meines schenkels liegt dein hüftgelenk von gestern,
vielleicht habe ich mich auch nur angehaut.
um deinen namen zu sehen muss ich schon scrollen und tu es nicht. immer.
atmen – unten.

geborgenheit musst du jetzt aus anderen busen nuckeln,
ich streiche mir selber über den kopf.
schmeiße alle deine allergien in einen topf und ordentlich knoblauch drauf.
atmen – hinaus.

male punkte punkte punkte.
vergiss nicht, ich weiß wie deine zehen aussehen, wie lang du gebraucht hast.
atmen, atmen.

Ich würge Generationen

Du willst mir die Farben erklären,
Doch ich habe vergessen wie Kinderzöpfe fliegen.
Atmest mir fleischrot ins Gesicht,
Ich sage ja,
Weil das Nein seit Uroma begraben liegt.
Ziehst mir Maschen um den Hals,
Alle finden es herzig
Zwei Zentimeter zu tief
Und ich würge dir Generationen zwischen die Beine
Laufe ins Grün und atme bis alles blau wird.

Gelegenheiten

ich will renates rote rüben reiben
mit meiner zunge, zwischen zahngeröll
stiegenhauskreise keuchen bis zum dachboden
ich will nicht stolpern, aber ich will die gelegenheit dazu eröffnen
ich glaub du hattest meinen schlüssel ausgeliehen
excuse me
but I’m searching
und du verstellst mir die sicht
herst oida
atmen, blau, atmen
we’ve got this
im zwei tagesrhythmus
danke, ich helf mir selber,
aber da,
halt mal kurz mein gepäck

Du willst das

Du willst das Patriarchat smashen baby
Stickst es dir rosa auf die Brust
Trinkst Kaffee wo Worte fehlen
und klebst die Wunden mit Glitzer.
Aber baby
bei dir hängt Schiele an der Wand
Nachts tinderst du dich zu Anerkennung
und der rosa Faden is sponsert by Papi
Lass uns smashen baby
und fang mit schreien an
nein nein du kannst dich nicht da hin setzten
Spread in der Bim bis alle bis in die Speiseröhre sehen können
Schiele is next
der hängt schon schief.

Jetzt fällt die Zeit

lampe.lampe.lampe.stuhl!
wo bin ich – du.
zwischen schrauben verteilt
und an wände gestrichen
habe ich mich.
allein. mich mich mich.
so muss es sein.
wo bin ich.
zwischen spiegel, leben und türangel
schwinge ich
in dunkelgrün
und kratze meine spuren
ins holz
zwischen eure.
jetzt fällt die zeit
reif vom baum
in die straßen wiens.
zwischen pflastersteinen jage ich
sie
die zeit
und finde dich
und hauptsächlich mich.

Zukunftsschauer

Der Sommer schauert
still seinem Ende entgegen.
Mein Herz trauert
alt verlorenem wegen.
Doch um die Vergangenheit mauert
sich die Zukunft in neuen Wegen. 

Inspiriert von Herman Hesses Gedicht September:

September
Der Garten trauert,
kühl sinkt in die Blumen der Regen.
Der Sommer schauert
still seinem Ende entgegen.
Golden tropft Blatt um Blatt
nieder vom hohen Akazienbaum.
Sommer lächelt erstaunt und matt
in den sterbenden Gartentraum.
Lange noch bei den Rosen
bleibt er stehen, sehnt sich nach Ruh.
Langsam tut er die großen
müdgeword’nen Augen zu.

Wendung

WENDUNG

inspiriert von „Unter dem Weinstock“ von Ingeborg Bachmann

Die Nacht muss das Blatt wenden,
denn dein erstes Gesicht steigt in dein Trugbild,
gedämmt von Licht.

Rauschend spült es die Füße weg,
wo die Gedanken noch hängen,
die Nacht muss mein Blatt wenden.

Die Nacht muss dein Blatt wenden,
wo Euphorie auf Beton aufknallt,
wo Tiefe durch leere Mägen hallt,
die Nacht, sie muss unser Blatt wenden. //

Dieses Gedicht entstand bei einem Writing Wilderness Schreibworkshop im Türkenschanzpark. Anna hatte uns zur Aufgabe gestellt ein vorhandenes Gedicht zu unserem eigenen zu wandeln. Ein wunderbarer Weg um die Grenzen des eigenen Stils zu durchbrechen.
Das Original lautete:

Unter dem Weinstock im Traubenlicht
reift dein letztes Gesicht.
Die Nacht muß das Blatt wenden.

Die Nacht muß das Blatt wenden,
wenn die Schale zerspringt
und aus dem Fruchtfleisch die Sonne dringt.

Die Nacht muß das Blatt wenden,
denn dein erstes Gesicht steigt in dein Trugbild,
gedämmt vom Licht.

Unter dem Weinstock im Traubenstrahl
prägt der Rausch dir ein Mal –
Die Nacht muß das Blatt wenden!

– Ingeborg Bachmann

Die Seitenklänge der Wettlaufalleen

Ich lasse meine Gedanken kühlatmend aus.
Heißgelaufene Leben hetzten der Zeit durch Wettlaufalleen nach.
Du blickst mich an,
doch ich sehe nur fallende Blätter.
Die Füße im Beton,
die Organe tanzend gegen den Brustkorb.
Das Gesicht langsam in deines gehoben,
höre ich Seitenklänge in deinen Augen,
die ich mir nie erhofft –
zwischen Halsbeuge und Herbst.

Inspiriert von „Nasser Abend“ von Egon Schiele