Schlagwort: gedichte

Jetzt fällt die Zeit

lampe.lampe.lampe.stuhl!
wo bin ich – du.
zwischen schrauben verteilt
und an wände gestrichen
habe ich mich.
allein. mich mich mich.
so muss es sein.
wo bin ich.
zwischen spiegel, leben und türangel
schwinge ich
in dunkelgrün
und kratze meine spuren
ins holz
zwischen eure.
jetzt fällt die zeit
reif vom baum
in die straßen wiens.
zwischen pflastersteinen jage ich
sie
die zeit
und finde dich
und hauptsächlich mich.

Zukunftsschauer

Der Sommer schauert
still seinem Ende entgegen.
Mein Herz trauert
alt verlorenem wegen.
Doch um die Vergangenheit mauert
sich die Zukunft in neuen Wegen. 

Inspiriert von Herman Hesses Gedicht September:

September
Der Garten trauert,
kühl sinkt in die Blumen der Regen.
Der Sommer schauert
still seinem Ende entgegen.
Golden tropft Blatt um Blatt
nieder vom hohen Akazienbaum.
Sommer lächelt erstaunt und matt
in den sterbenden Gartentraum.
Lange noch bei den Rosen
bleibt er stehen, sehnt sich nach Ruh.
Langsam tut er die großen
müdgeword’nen Augen zu.

Wendung

WENDUNG

inspiriert von „Unter dem Weinstock“ von Ingeborg Bachmann

Die Nacht muss das Blatt wenden,
denn dein erstes Gesicht steigt in dein Trugbild,
gedämmt von Licht.

Rauschend spült es die Füße weg,
wo die Gedanken noch hängen,
die Nacht muss mein Blatt wenden.

Die Nacht muss dein Blatt wenden,
wo Euphorie auf Beton aufknallt,
wo Tiefe durch leere Mägen hallt,
die Nacht, sie muss unser Blatt wenden. //

Dieses Gedicht entstand bei einem Writing Wilderness Schreibworkshop im Türkenschanzpark. Anna hatte uns zur Aufgabe gestellt ein vorhandenes Gedicht zu unserem eigenen zu wandeln. Ein wunderbarer Weg um die Grenzen des eigenen Stils zu durchbrechen.
Das Original lautete:

Unter dem Weinstock im Traubenlicht
reift dein letztes Gesicht.
Die Nacht muß das Blatt wenden.

Die Nacht muß das Blatt wenden,
wenn die Schale zerspringt
und aus dem Fruchtfleisch die Sonne dringt.

Die Nacht muß das Blatt wenden,
denn dein erstes Gesicht steigt in dein Trugbild,
gedämmt vom Licht.

Unter dem Weinstock im Traubenstrahl
prägt der Rausch dir ein Mal –
Die Nacht muß das Blatt wenden!

– Ingeborg Bachmann