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Du willst das

Du willst das Patriarchat smashen baby
Stickst es dir rosa auf die Brust
Trinkst Kaffee wo Worte fehlen
und klebst die Wunden mit Glitzer.
Aber baby
bei dir hängt Schiele an der Wand
Nachts tinderst du dich zu Anerkennung
und der rosa Faden is sponsert by Papi
Lass uns smashen baby
und fang mit schreien an
nein nein du kannst dich nicht da hin setzten
Spread in der Bim bis alle bis in die Speiseröhre sehen können
Schiele is next
der hängt schon schief.

Good food for good people

Dieses Jahr habe ich mir zum Geburtstag das Glück eingeladen und einen Abend mit Herzensmenschen, Goldworten, Glitzer im Kopf, Konfetti im Herz und Brause auf der Zunge in den Morgen gelebt. Einen kleinen Einblick in die Vorbereitungen, einen Anstoß es euch und vielleicht ein paar Lieblingen schön zu machen, zu kochen und da zu sein, findet ihr hier.

Couscous Granatapfel Walnuss Salat

  • Couscous
  • Granatapfel
  • Walnüsse
  • Petersilie
  • Rucola / Salat
  • Grapefruit Essig (oder ganz normaler, weißer oder Apfelessig)
  • Zitronensaft
  • Olivenöl
  • (Zitronen) Salz
  • Ganz wenig (oder ganz viel, you do you) Knoblauch
  • Ahornsirup

Couscous mit doppelter Menge kochendem Wasser übergießen und ziehen lassen. Währenddessen über das Leben nachdenken, den Kopf schütteln und dann einfach weiter machen.
Granatapfel schälen, alles anspritzen, fluchen und ein paar naschen.
Walnüsse grob hacken. Etwaige aufgestaute Aggressionen an der Petersilie auslassen, bis sie so klein gehackt ist, wie wir uns das Patriarchat wünschen.
Ein kleines bisschen Knoblauch fein schneiden und darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn du die Person einfach geknutscht hättest.
Alles vermischen und mit Essig, Zitrone, Olivenöl, Salz abschmecken und eventuell einen Schuss Ahornsirup dazu geben. Bis alles gut ist, für einen Moment oder zwei.
Kurz vor dem Essen Rucola oder feine Salatblätter unterheben, sanft sein, mit dem Salat und sich.

Beluga Linsen Salat

  • Beluga Linsen
  • Rucola
  • Olivenöl
  • Aceto Balsamico Essig
  • Salz
  • Knoblauch
  • Ahornsirup
  • Kräuter getrocknet

Linsen waschen, tief durchatmen. Linsen in doppelter Menge Wasser kochen. Knoblauch fein hacken. Mit Öl, Essig und Gewürzen abschmecken. Wenn der Tag nicht süß war, ein Schuss Ahornsirup dazu. Nicht alles wird besser, aber alles anders. Rucola unterheben. Salat und Gedanken durchziehen lassen. Wasser trinken, lüften. Es wird. Irgendwie.

Kichererbsen Curry

  • Kichererbsen (selber gekocht oder aus dem Glas, dann vorher abspülen, dann sind sie besser verdaulich)
  • Zwiebel
  • Karotten
  • Knoblauch
  • Kokosmilch
  • Tomatenpassata mit Stückchen
  • Senfsamen
  • Curry Pulver (zum Beispiel von Sonnentor oder das Ceylon Curry von Babettes ist ganz und gar wunderbar)
  • Tamari / Soja Sauce
  • Salz
  • Öl

Öl erhitzen. Zwiebel, Knoblauch, Karotten klein schneiden und rösten. Senfsamen und Curry dazu, weiter rösten. Kichererbsen dazu. Rösten. In der Wiederholung Sicherheit finden. Muster durchbrechen. Kokosmilch und Tomatenpassata dazu. Köcheln lassen. Wenn alles gut durch und ein bisschen eingedickt ist, nochmal mit Curry, Salz und Tamarisauce abschmecken.
Passt zu Naan, Reis und guten Freunden, Lovern und Loverinnen.

Erdnuss Curry

  • Süßkartoffeln
  • Kartoffeln
  • Karotten
  • Kürbis
  • Zwiebeln
  • Erdnussmus
  • Zitronensaft
  • Salz
  • Curry oder zum Beispiel Habeshas Berbere Gewürz von Sonnentor
  • Tamari / Sojasauce
  • Öl

Zwiebeln schneiden, in Öl anrösten. Kartoffeln schälen, alles Gemüse würfeln und mitrösten. Gewürze dazu. Momentanes Lieblingslied hören. Altes Lieblingslied hören und aus dem Fenster schauen. Mit bisschen Wasser aufgießen und köcheln bis alles durch ist. Mit viel Muse gegen viele -muse kämpfen. Mund auf gegen Sexismus. Ohren auf bei Rassismus. Eins der wenigen guten -muse ins Gemüse einrühren. Erdnussmus mit einer guten Prise intersektionalem Feminismus.
Köcheln. Abschmecken. Eventuell das Curry mit Wasser verdünnen und die Gespräche mit Freunden verdichten.

Ofengemüse


  • Kürbis
  • Süßkartoffel
  • Karotten
  • Rüben
  • Lauch
  • Zwiebel
  • Knoblauch
  • (Chili)Salz
  • Petersilie
  • Gewürze (Sieglindes Erdäpfelgewürz von Sonnentor)

Gemüse in Formen schneiden. Entscheiden üben. Mit den Schultern zucken und alles nicht so ernst nehmen. Ofen auf 200 Grad erhitzen. Gemüse mit Öl und Gewürzen mischen und backen bis es durch ist wie ich nach einer U-Bahn fahrt um 18 Uhr. Petersilie hacken und darüber streuen. Warm oder kalt essen. Es nehmen wie es kommt.

Brownies
für viele oder auch Glück kommt selten in brau, aber wenn dann zartbitter schmelzend mit heißen Himbeeren


  • 400 g Mehl
  • 400 g Rohrzucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 100 g Kakaopulver
  • 350 dunkle Konfitüüüre oder Schokolade
  • 200g Apfelmus
  • 200 ml Öl
  • 400 ml Hafermilch
  • Schokodrops
  • Himbeeren gefroren
  • Ahornsirup
  • Eis

Ofen auf 200 Grad heizen, oh yes, baby, Ober- und Unterhitze.  Schokolade schmelzen, give it to me. Trockene Zutaten mischen. Feuchte dazu geben. Mmimimischhhhen. Schokolade dazu geben und glücklich sein. Kurz oder lang. Den Teig in eine Form und dein Herz vor Freunde gießen. Die Brownies mit Schokodrops, die Wangen mit Glitzer und das Leben mit Konfetti sprenkeln. 25 Minuten backen und sich ready to be browniesexual machen. Eis aus dem Gefrierschrank nehmen und sexy auf dem Tisch platzieren. Himbeeren mit Ahornsirup aufkochen.
Zusammensein genießen. Heiß, kalt, süß, sauer, Schokolade, Leben, alles und alle, jetzt – Glück.

Die sehen alle gleich aus

Die sehen einfach alle gleich aus. Wir lachen. Hinten rechts, da sitzen wir meistens. Drei Reihen vor mir schaut jemand einen Film, ein Typ klickt sich durch Facebook. Irgendwo knuspert ein Brötchen.
Vorne zieht Folie nach Folie an mir vorbei.
Es ist rumsitzen mit gutem Gewissen, weil man ist ja immerhin hergefahren. An die Uni, den Ort der Bildung.
Wir sitzen uns alle klug.

Es klopft, ich schaue auf. Vorlesung zu Ende. Nächstes mal klopfe ich mal für die Klofrau, wieso eigentlich immer nur für die angesehenen Berufe applaudieren.
Am Gang begegne ich einem weißen Mann, der, sagen wir mal seinen besten Jahren schon entflohen ist. Ich schaue ein bisschen zu lange hin, irgendwie kenne ich den doch. Chemie? Mikroökonomie?
Die sehen einfach gleich aus.
Die sehen einfach alle gleich aus.
Die sehen einfach alle gleich aus.
Fuck, die sehen einfach alle gleich aus und das ist ein Problem.

Die Diversität der Professoren ist beinahe nicht vorhanden. Ein weißer Cis Mann nach dem anderen liest uns Zitate von anderen weißen Cis Männern vor und wir können nicht anders als zuhören, wenn wir in diesem System weiterkommen wollen.
Vielleicht gibt es nicht genügend Frauen, People Of Colour, sich nicht binär identifizierende ProfessorInnen. Come on, really? Und selbst wenn – schon mal überlegt warum?

Das Problem ist nicht nur die Besetzung dieser Stellen, sondern auch die Wirkung auf uns Studenten.
Ganz ehrlich? Wenn mir da wieder so ein Heinz Matthias Wolfang etwas über Wasserwirtschaft erzählt, kann ich mich nicht in diesem Feld sehen. Ok, das hat vielleicht auch noch andere Gründe.
Aber ich lehne mich mit gutem Gewissen aus dem Fenster und sage, je nachdem ob ich mich mit dem Professor, der Professorin identifizieren kann im weiten Sinne, entscheidet mit welchem Gefühl ich in einer Vorlesung sitze und wie viel ich lerne.
Es geht außerdem nicht nur darum, sich repräsentiert zu fühlen und die verschiedenen Berufe und Felder (emotional) erreichbarer zu machen. Auch eine Vielfalt an Lebensrealitäten, Hintergründen und Sichtweisen ist enorm wichtig.
Durch Social Media kann ich mir Vielfalt in den Alltag holen und Menschen begegnen, die sonst meinen Weg nie kreuzen würden, ich kann die Blase in der ich lebe Stück für Stück platzen lassen. Ich kann mein Ohr endlich denen zuwenden, die gehört werden müssen. Menschen mit Migrationshintergrund, People Of Colour, Gender Not Confirming Menschen, … you name it – zuhören.

Aber wieso muss ich dazu online gehen?
Liebe Uni – wieso kann ich das nicht in den Vorlesungen tun? Wann lässt ihr endlich Menschen sprechen, die nicht alle gleich aussehen?

Am liebsten würde ich fuck the system schreiend aus dem Hörsaal rauschen, aber jetzt sitze ich hier und schreibe diesen Text. Weil ich an Bildung glaube. Nur nicht auf diese Art wie ihr sie uns bietet.

Ps: Du stolperst über die Bezeichnung „weiß“ und hast noch nichts über strukturellen Rassismus gehört ? Lese die letzten drei (und nicht nur die) von Arpana Aischa auf Instagram @a_aischa über Weiße Männer.

Pps: Dir fällt die fehlende Diversität in anderen Bereichen auf? Rede darüber, schreib darüber! Oder schau dir den coolsten politischen Adventkalender von Mirabella Paidamwoyo auf Instagram @mirabellapaidamwoyo an.

1080

Zwischen fünfzehn und zwanzig Uhr müssen Passbilder nicht hässlich sein, doch ich stehe meistens früher auf und laufe der Hässlichkeit durch den Rachen.
Auf den Pralinen liegt Staub.
Samstags komme ich röchelnd beim Bäcker an, gerade bevor der Anstand der Bürger den Steig hochklappt. Leer gehe ich seit ein paar Wochen nicht mehr aus, aber oft allein.
Meine Gedanken verlieren sich auf der Kopfhaut der alten Dame in der Straßenbahn. Ihre Haare sind ungefähr so viele, wie ich wöchentlich verliere. In ihrem Fall wenig, in meinem viel. Sie riecht ein bisschen nach Porzellan. Das ist so ein Geruch, den man nur denken kann.
Abends blute ich rot aufs sofa, nicht blau.
An diesem Fleck bin ich angekommen. No need for Gallseife anymore, Schatz, ich bin zuhause. #1080

Viertel

Die Bäckerin zeigt auf das Brot. „Halber Kilo“. Ich sage viertel, bitte und weiß schon jetzt, dass ich Zuhause weinen muss. Wieso gibt es kein Achtel. Wieso gibt es so viel Achtel, aber nicht aus Roggen. Ich gehe nach Hause. Das ist so scheiß viel Brot. Es wird neben dem Toast landen. Gefroren. Ich will doch nur etwas Wärme.
Du musst dich erst selber lieben sagen sie und gehen dann mit Schatzi zu einem wilden Sektempfang. Positiv denkt und manifestiert euch ins Knie denke ich und lächle ein Ja.
„Weißt du, das kommt von ganz allein, das passiert einfach weißt du?“ „Wars nicht so, Schatzi, so wars doch?“ Ich muss ein bisschen lachen, das habe ich mir bis Silvester 2015 auch immer gesagt. Same procedure as every year.
Dann gehe ich, das Viertel wartet. Selbst gefroren ist mir das lieber als Kosenamen die auf i enden und kosen ist sowieso eines der grindigsten Wörter die ich kenne.

Bald ist morgen und dann wieder und wieder. Ich perfektioniere die zu kochende Menge an Nudeln für eine Person und Klopapier habe ich jetzt auch im Vorrat. Läuft doch gut, sage ich mir und mir fällt gar nicht mehr auf, dass niemand zuhört.


Professor  M. rudert immer mit seinen Armen durch die Vorlesung. Er führt sie hoch bis zum Kinn, lässt sie fallen und der nächste Kreis beginnt. Es sieht aus als wollte er seine Gedärme aufwirbeln. In denen schwimmen bestimmt warm vorgekaute Formeln. Das ist nicht die Form von Wärme die ich wollte. Ich hypnotisiere seine Hände bis mir ein bisschen schwindelig wird, er ergötzt sich an Exeldateien. Ergöözt. Mit schiefen Kopf stelle ich mir seine Kinder vor.
Danach gehen wir noch ein Käffchen trinken, also nicht Herr M., sondern die anderen und ich. Niemand trinkt Kaffee, Tee ist alles was dieser Tag verträgt. Kuchen bestellen wir auch nicht, dazu kennen wir uns nicht lang genug. Es ist die Phase in der man vieles bejaht, dafür muss man später mit schlechten Filmeabenden büßen. Aber später ist ja nicht heute. Ich nicke.
Freitags gehe ich ins Museum, die Bilder sind die gleichen wie immer. Zumindest kann ich jetzt pejorativ sagen statt oasch. Es lebe die Uni.
Der Unterschied zwischen inter- und transdiziplär ist für mich noch eher diffus. A scho wurscht. Beide machen Sätze exorbitant distinguierter, ja nahezu formidabel adäquat, weniger diametral, beinahe eminent differenziert. Seht her, wir kotzen euch unsere Weisheit noch unverdaut und sauer vor die Füße und zahlen dafür nur 19 Euro pro Semester. Ein brachiales oasch finde ich trotzdem noch besser. Wenig ist prädestiniert für so vieles. Ich gehe nach Hause.

Es ist Herbst und ich kann die Vorhänge schon früh zu machen und am Sofa sitzen. Nicht das ich das im Sommer nicht mache, das Sitzen. Meine Fenster schwitzen, also eigentlich meine Wäsche, aber die müssen es ausbaden. Baden nicht gerade, bisschen perlen vielleicht. Nach einer Weile beginnen meine Knie immer weh zutun, weil ich sie so an mich quetsche. Irgendwann merke ich das nicht mehr. Ich habe etwas gefunden, irgendwo zwischen Mensa und Bimstation. Und deshalb spüre ich meine Knie jetzt nicht mehr. Ich würd jetzt nicht sagen, dass ich mich gefunden habe. Eher etwas, das sich besser lebt, als die sonstige präpotent graue Blase. Das für immer nicht mehr ganz so beengend macht und zwischen Farben wohnt.  Läuft doch ganz gut, denke ich mir und es hört immer noch niemand zu.

Im Bus kippt ein Mann über seinen Papieren weg und ein Mädchen fragt, welcher denn ihr längster Finger wäre. Der Ring soll ja nicht runterfallen. Süß.

Meine Knie quetsche ich jetzt öfter und verlerne wieder ein paar affektierte Wörter. Immerhin weiß ich jetzt, welches die ganz bösen Äpfel sind und, dass die Risikoforschung auch innerhalb der Neoklassik möglich ist. Zumindest aufgeschrieben habe ich es. Es lebe die Uni.

Mittwochs tut meine Hand weh. Bisschen viel illustriert, sage ich lachend. Hat doch was geil erhabenes. Donnerstags ist es nicht mehr geil und meine Sehnen entzündet.
Weißt du, man weiß nie wofür etwas gut ist sagen sie und gehen dann zum Punschstand mit Schatzi Nummer zwei. Positiv denkt euch doch alle selber. Ich betrete das Orthopädie Geschäft, man kann gar nicht anders als den Namen einzuatmen. Santitätshaus.
Zuhause stapelt sich alles und der Kühlschrank riecht nach müder Petersilie. Ich sitze am Sofa und spüre meine Knie. Das geht doch mit links ist das bescheuertste Sprichwort und ich verfluche geschlossene Gläser. Die Bäckerin macht mir den Geldbeutel zu. Meine Haare fliegen in alle Richtungen und ich kann nichts dagegen tun.

Ich gehe nach Hause. Weine über Quarkumschläge und Verpackungen. Muss mich wenigstens nicht abschminken. Läuft irgendwie nicht so gut sage ich und merke, dass niemand zuhört.

Melde mich von Prüfungen ab und ein Gewerbe an. Kaufe ein viertel Brot, bisschen Platz im Gefrierfach ist noch.

Abends treffe ich jemand von früher. Er ist ein bisschen betrunken, ich nicht. Ich lache ein bisschen lauter, damit es nicht auffällt. Er zeigt mir sein neues Tattoo und ich frage, ob er sich dadurch wirklich mehr Frauen erhofft. Das ist das wichtigste, die Liebe, weißt du? Hm, ja.
Ich denke an Quark und die Kinder von Herrn M. Dann gehe ich nach Hause.
Esse hartes Brot, niemand hört mir zu, aber zumindest habe ich keinen Löwentattoo über meinem Bauchnabel. Manchmal läuft das doch ganz gut. Und manchmal oasch, aber auch das ist legitim und zur Not manifestiere ich mir einmal heftig ins Knie.

Die Seitenklänge der Wettlaufalleen

Ich lasse meine Gedanken kühlatmend aus.
Heißgelaufene Leben hetzten der Zeit durch Wettlaufalleen nach.
Du blickst mich an,
doch ich sehe nur fallende Blätter.
Die Füße im Beton,
die Organe tanzend gegen den Brustkorb.
Das Gesicht langsam in deines gehoben,
höre ich Seitenklänge in deinen Augen,
die ich mir nie erhofft –
zwischen Halsbeuge und Herbst.

Inspiriert von „Nasser Abend“ von Egon Schiele

Von jungen Herzen

EINS

manche tage sind wie warme wolle, nicht die kratzige, sondern die feine, teure.
in der wollenen wolke purzelt man herum und vieles ist gleichzeitig so klar und unbedeutsam.
es sind tage wie sanftes gitarren zupfen mit leisen oh‘s und ah‘s.
man ist an einem ort, der immer wie der falsche schimmerte und doch plötzlich der einzige ist, der sinn ergibt.

ZWEI

da laufen ameisen an meiner magenwand.
ihre kleinen tritte senden impulse durch den ganzen körper, ich zittere innerlich, doch nicht auf die schmerzlich krampfige art, sondern loslösend.
alles fließt schneller und löst ein unbändiges gefühl des lebens aus. der jetzige moment kribbelt unter der haut, der kopf wird vom körper aus den sorgen gerissen und hochgeschraubt bis er alles erblicken kann, es gibt nur jetzt.
vieles ist plötzlich so klar, wenn auch dunstig. aber vielleicht ist es ja gerade dieser feiner nebel, den es braucht um zu leben, zu überleben.

DREI

und manche tage sind dann die körperliche intensität. alles klopft gegen die haut, von innen heraus.
es schwimmt eine süß atzende flüssigkeit durch den magen und das blut.
die seele wühlt sich durch die innereien.
alles ist so voll, voll von dir, das nur ein bissen, ein ton mich zum bersten bringt.
du bist so in mir ausgebreitet, ohne dass du es weißt, dass ich teile von mir flüchten lassen muss, um platz für dich zu räumen.
und das tue ich mit wohlwollender hast,
werfe unüberlegt alles über bord, dass uns nicht koalieren lässt.
denn das steht groß geschrieben auf meiner inneren stirn,
das liegt über meiner makula, so dass jeder blick durch das netz von dir fallen muss.
meine haut ist elektrisch geladen und knistert. sie knackst bei jeden ton, bei jeden warmen duft lässt sie mich zitternd zurück.
ich möchte mich übergeben, übergeben um meinen körper einen moment der ruhe zu geben, die du mir raubst.
und aus angst dich aus mir fließen zu sehen, halte ich den mund geschlossen.
ich male ein bild von dir, mit pulsierendem blut, tief in mir, dass du nie sehen darfst, ohne dich wie der herr der gipfel zu fühlen.
und du, lässt mich immer strahlendere farben wählen, pigmente pur.
ich warte auf deinen patzer, einen fleck der einen see voller unmöglichkeiten malt.

VIER

in mir schreien worte danach ausgelassen zu werden, dich auf papier zu schreiben. dich in dickes weiches papier mit feuchter tinte zu gravieren, bis du verwischt über seiten vor mir liegst.

FÜNF

es ist wie mit nadeln gestochen zu werden, aber zu wissen, das diese die richtigen stellen treffen und nicht schmerzen.
nur sie wieder rauszuziehen, das tut weh.
das hinterlässt einen körper voll rotem muster, mit den kleinen blutstropfen verwindet ein quantel hoffnung, die erst zurückgewonnen werden will.

Sommeretikette

es ist so heiß, dass alles platzen möchte.
die luft, die erde, genauso wie die äpfel auf der wiese.
mein kopf schwindelt vor pickigem vanillearoma, dass in den gassen hängt.
ein kind rennt mir entgegen, die sorge der mutter ist kleiner als die schwere in ihren beinen.
auf dem rücksitz schaukelt eine mineralwasserflasche, genauso ekelhaft lauwarm wie all unsere körperflüssigkeiten.
am kinn des kindes klebt das, was als erdbeer verkauft wird, rosa und klebrig.
die luft ist so süß, dass sie schon fast sauer riecht.
ein tropfen rinnt mein bein herunter und bleibt in der kniekehle sitzen, ich überlege ob meine mannerschnitten jetzt auch schmelzen, zuhause im regal.
die ganze stadt schwitzt lauthals leise, einige bäume vertschüssen sich schon in den herbst.
ich drehe die musik lauter, so als könnte sie die temperatur überdecken.
und während wien raunzend und haaas mit eisgefüllten bäuchen vor sich hin vegetiert, da pflege auch ich meine sommeretikett mit dem viertelstündlichen hinweis auf die hitze an jeden, der nicht eher flüchtet, aber wer tut das schon, bei 38,5.
hinter einem seufzer, so theatralisch wie es sich in der stadt, an der die milde arroganz von den stuckfassaden bröckelt, gehört, verstecke ich meine liebe.
meine liebe zu dieser abartigen hitze, dem gefühl dass es dir eine zelle nach der anderen wegbrennt, die gedanken so langsam wie bewegungen unter wasser, die stadt gelähmt und alles endlich nicht mehr rennt, sondern sich eine langsamkeit zugesteht und nichts außer die frage pistazie oder haselnuss oder doch zitrone einen sinn macht. / 

AUGUST 2018

Kräuterseitlinge mit Meeresduft auf Erbsen Minze Püree -#veganchristmasdinner

Kochen ist für mich den Moment und die Spontanität feiern. Nichts führt uns die Vergänglichkeit und den Genuss des Jetzt so vor Augen, nun ja, vor den Mund, wie gutes  Essen.
So habe ich dieses Weihnachten auch wieder experiment und war so glücklich, dass ich es ungeplant mit euch teilen möchte.
Das ich nichts von genauen Rezepten halte, sondern der Meinung bin, das Kochen nur aus einem Gefühl heraus funktionieren kann, mag vielleicht schon in dem ein oder anderen Rezept hier durchgeschimmert haben. So sind auch das Inspirationen, Ideen – bereit zur Weiterentwicklung.

Vorspeise

Vegane Jakobsmuscheln oder auch  Kräuterseitlinge mit Meeresduft auf Erbsen Minze Püree.

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Zutaten:

  • Kräuterseitlinge mit möglichst dicken Stamm
  • Reisweinessig – Mirin / alternativ weißer Essig und Weißwein
  • Kombu Algen
  • Salz
  • Erbsen
  • Minze
  • Vegane Butter (Alsan) oder Olivenöl
  • Tamarisoße / Sojasauce

Zubereitung

Kräuterseitlinge waschen und den Stamm in „Jakobsmuschel“ große Stücke schneiden. Den Rest kann man am nächsten Tag anbraten – auf Brot, Nudeln, Reis… schmeckt das sehr gut.
In eine Schüssel einige Kombu Algen und die Krauterseitlinge geben, Wasser kochen und sie übergießen. Einen guten Schuss Reisweinessig und eine gute Prise Salz dazu geben, mit einem Teller beschweren, sodass das Wasser alles bedeckt und ungefähr 2 Stunden ziehen lassen.
Für das Erbsen Püree Erbsen, frische Minze, Zitronensaft, Salz und Pfeffer fein pürieren.
In einer Pfanne Alsan zergehen lassen und die Kräuterseitlinge scharf auf beiden Seiten anbraten. Eventuell Croutons mit rösten. Einen ganz kleinen Schuss Sojasauce dazugeben. Nach Belieben dekorieren und servieren.

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Warum du an Weihnachten nicht glücklich sein musst

Unsere Umwelt macht uns zu Erwachsenen, manche wehren sich besser, manche weniger dagegen. Da sind Verantwortungen, Pflichten und wenig Platz für kindliche Freude und Glaube. Man will über das viel besprochene innere Kind denken, was man möchte, aber zu den Feiertagen rührt sich etwas in vielen von uns.
Lange nachdem der Glaube an das Christkind dem Realisten, der wir nun sind, gewichen ist, lange nachdem die kitzelnde Freude von Stress und Besorgungen verdrängt wurde, versteckt sich da eine Erwartung an den großen Tag in der Brust.
Sie ist da und ich bin ihr ausgeliefert. Jahr ein, Jahr aus, ist da die leise Hoffnung auf etwas Besonderes, die Erwartung von einem Tag, der anders ist, als all die 364 in Jahr.
Sie mag sich verschieden äußern – in dem Wunsch nach Schnee, nach einem friedlichen Beisammensein, ohne die streitsuchenden Äußerungen der Familienmitglieder, in dem Wunsch nach dem endlich passenden Geschenk, das dir nur von den Augen abgelesen wurde.
Doch was liegt unter all dem? Ist es nicht der Wunsch nach einem Tag, der aus allen heraussticht, uns aus unserer Realität holt und nun endlich einmal glücklich macht?
Gerade, wenn unser Leben nicht so traumhaft läuft, wie uns das die weihnachtlichen Komödien, die wohl eher Märchen heißen sollten, vorführen, ist die Hoffnung groß.
Vielleicht wäscht sie sich aus den Knochen, sitzt nicht mehr so tief je älter wir werden, aber gerade im Übergang von Kind zu Erwachsenen ist sie präsenter denn je.

Und doch ist der 24. jedes Jahr auch wieder nur ein Tag. Ein Tag unseres Lebens, keiner Komödie entsprungen, ein Tag, der kommt und geht. Vielleicht ist der schön, sogar friedlich, aber vielleicht auch stink normal.
Vielleicht muss ich meine Aussage doch revidieren, er ist nicht gewöhnlich, sondern meist mit Druck geladen. Für sensible Menschen kann Weihnachten eine Belastungssituation nach der anderen bedeuten – die Stimmung in der Luft, der Wunsch niemanden zu enttäuschen, Päckchen mit dem vorprogrammierten Lächeln öffnen und umgeben von Leuten, klingt dann nicht gerade himmlisch.
Doch ist Weihnachten wirklich so schlimm? Nein, es ist zwar nur ein Tag, aber es ist eben nur ein Tag. Sobald wir loslassen von den Erwartungen und das ist nicht unbedingt leicht, kann er überraschend angenehm sein.
Am wichtigsten ist, das wir das Tabu brechen, an Weihnachten glücklich sein zu müssen. Ich würde einiges wetten, dass nicht alle innerlich so freudestrahlend sind, wie sie sich äußerlich geben. Man kann ja auch nicht jeden Tag glücklich sein, manche Tage sind dunkler als andere und das ist auch okay so. Und, nur, wenn dein unglücklicher Tag nun auf den 24. fällt, bist du kein Verlierer. Unser weihnachtlicher Gemütszustand ist kein Spiegel für unseren Erfolg im Leben. Ob du nun feierst oder nicht feierst, allein oder nicht allein bist, sagt nichts über deinen Wert aus.
Wie pessimistisch dieser Blogpost auch klingen mag, sein Sinn ist nicht, euch das Lametta vom Baum und das Lächeln aus dem Gesicht zu stehlen, sondern euch die frohe Kunde zu bringen, auf die ich selber viel zu lange gewartet habe. Freude ist nicht erzwingbar – sie kommt so überraschend wie Regen.
Eine Trockenperiode heißt nicht, dass es morgen nicht schütten kann.
Also – da sind noch 364 andere Tage im Jahr und ich wünsche dir von Herzen, dass es oft Freude auf dich regnet.
Meist kommt sie überraschend und es liegt an uns, sie wahrzunehmen, genauso wie wir es auch mit Traurigkeit tun sollten.
Und wer weiß – ist der Stress und die Erwartungen verschwunden, vielleicht ist der 24. nächstes Jahr dann triefend nass vor Glück.

Ich habe dieses Jahr versucht, meine eigene Empfehlung wahrzunehmen – tun wir das denn nicht viel zu selten – und wir hatten ein ruhiges Fest. Ich habe die Gedanken weggeschoben, wie es wohl wäre eine große Familie, dies oder das zu haben und einfach das getan, was ich gerne tue – gekocht und einen Spaziergang gemacht. Über Wien zog sich ein wunderschöner Himmel und sobald ich ein kleines technisches Problem gelöst habe, füge ich hier Bilder ein. Das Essen war auch gelungen – mehr dazu bald.
In diesem Sinne wünsche ich euch fröhliche, traurige oder stink normale Feiertage, wie immer sie auch kommen.

Alles Liebe,
Stephanie

PS: Nach einem kräftezehrenden Herbst habe ich das Schreiben schon vermisst, sonst würde ich nicht am ersten ruhigen Tag mir Wörter aus den Fingerkuppen ziehen. Ich merke aber auch, wie ich aus der Übung bin. Mehrere Beiträge folgen dann ab Februar.

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