Existenz in sattem gelb

eigentlich bin ich ja nur hergefahren, weil ich sonst nichts besseres zutun hatte und und jetzt ist es ganz schön schön, so hier und jetzt.
im buchladen schlendere ich herum, drehe buchrücken, kaufe eine kitschige guilty pleasure und warum denn eigentlich guilty? nun, man hat ja ansprüche an sich. und dann noch ein zweites, damit ich mich unter den blicken der verkäuferin nicht allzu flach fühle, so richtig was mit 19hundertsoundso, harter stoff eben, nicht nur das cover. und vielleicht ist das ja auch ziemlich doof, wahrscheinlich denkt sich die verkäuferin nichts und alles ist wieder in meinem kopf und ich springe nur wieder mit mir selber so hart um.
ich sitze draußen, an einem tisch, bei dessen größe ich mich schon an schuldgefühlen hindern muss, weil ich ihn so ganz allein okkupiere. aber vielleicht passt das ja auch zur situation, vielleicht muss ich einfach lernen meinen platz einzunehmen, ja mir meinen platz in der welt zuzugestehen.
ich trinke etwas, was ich nie mochte, es schmeckt als würde ich in eine wiese beißen, aber irgendwas hat geklickt und ich finde das jetzt gut und nicht mehr zum kopfschütteln. vielleicht sind die sieben jahre rum, in denen sich die geschlacksnerven erneuern, zumindest hat mir das mal jemand erzählt oder vielleicht ist geschmack dann doch mehr im kopf als auf der zunge.
während ich mit seiten raschle, bemühe ich mich langsame schlucke zu trinken, damit ich meine existenz hier im café rechtfertige mit dem stand der flüssigkeit in meinen glas. ich überlege, ob das jetzt auch nur in wien so sein kann, dass ich hier für wenige euros so lang sitze und dann denke ich mir, dass ich endlich weniger überlegen und mehr sitzen sollte, aber allein das ist ja schon wieder denken. sonst ist trinken aber eher eine sache von erledigen statt langsamkeit bei mir und viel zu oft vergesse ich es auch. vielleicht kann man sich ihn ja antrainieren, den durst auf trinken und vielleicht auch auf vieles andere.
der himmel ist sehr blau und man kann sogar große stücke davon sehen, mehr als in meiner gasse, aber weniger als zuhause. die wärme liegt ganz nah auf der haut und traure ihr schon nach, was ja an sich schwachsinn ist, aber das tue ich ja jedes jahr und never change a running system, das sagt man doch so.
neben mir unterhalten sich zwei frauen, die eine hat ihre roten schuhe neben dem tisch abgestellt und ihre beine um einander gerankt, ich kenne diesen freiheitsdrang der zehen. zweimal blicke ich zu lange hinüber und werde bemerkt, dann blicke ich demonstrativ nach links, versuche zu spüren, ob sie wieder wegblickt und lese dann weiter, im buch nicht in ihren gesten.
seit langem lese ich wieder über kapitel und kapitel hinüber, das buch ist so ganz anders als gedacht, aber es fliegt soviel leichter voran, weil es nicht mit schwere oder sinn behaftet ist.
dieses gemurmel, wenn gespräche verschwimmen, aber noch nicht zum lärm verklingen, ist wie sommer im ohr. manchmal bleibe ich dann doch hängen und gesichter laden sich mit stimmen und worten auf, bevor sie wieder verschwinden. dann muss ich heimlich zurück blättern, weil ich wieder eine seite bloß mit den augen und ohne hirn gelesen habe.
als ich meine zeit nun definitiv abgesessen habe und noch mal in die wiese beißen, das wäre dann doch zu viel, vielleicht ja in sieben jahren dann, zahle ich und gehe weiter.
der sommer will anscheinend auch seinen platz in der welt beweisen, seine existenzberechtigung und bestellt zwar kein getränk, aber setzt sich ganz einfach sattgelb in die straßen. kitschig ist das, aber dafür bin ich ja heimlich anfällig.
auf dem heimweg nehme ich die kurzweilige blindheit für das letzte warm im gesicht in kauf und lasse mich vom sommer blenden und denke für einen kurzen moment an nichts.

Kategorie Geschichten, Kopf

Ich heiße Stephanie Anouk Doujak. Aus meiner Abschlussarbeit über Nachhaltigkeit im Alltag und Medien Kommunikation ist dieser Blog geworden, mit dem ich mir auch einen großen Traum erfülle und hoffentlich auch dich zum träumen bringe.

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