Vergessen

Sie hatte so kleine Blätter mit rosa Rand, deshalb habe ich sie gekauft. Ich war auf dem Weg zur Therapie. Das muss im frühen Sommer gewesen sein. Ich nahm sie mit nach Hause und lies sie dort, auch als es nicht mehr mein Zuhause war. Es gibt nicht wirklich ein Wort für diese Tätigkeit. Für das nach Hause kommen, wenn man nicht mehr zuhause lebt. Nicht mal einandereswortfür.de liefert da etwas. Jedes mal sah ich sie auf der Küchenplatte stehen. Wenn ich besuchte, visitierte, frequentierte. Sie war da. Irgendwann nahm ich sie mit. Vielleicht hat sie mir auch jemand mitgenommen. Jedenfalls stand sie dann bei mir auch erst in der Küche. Irgendwann fiel mir auf, dass sie klein genug für diesem einen Topf mit dem Gesicht war und ich setzte sie hinein. Weil sie so klein war, konnte sie nur wenig Wasser halten und ich musste sie oft gießen. Dann rann es immer aus dem kleinen Topf in den Übertopf. Manchmal lehrte ich ihn gleich aus, manchmal hatte ich zu wenig Kraft. Wochen später vergas ich sie und mich ein paar Tage zu lange. Vertrocknet hielt ich sie unter den Wasserhahn und sah dem Wasser beim Durchweichen zu. Ich ließ sie dann wieder in der Küche stehen. Ein paar Tage kam wieder das Vergessen. Danach wollte ich sie zurück stellen. Sie war immer noch ganz feucht. Unter ihren Blättern, in der nassen Erde hatte es zu schimmeln angefangen. Ich ließ sie noch ein paar Tage in der Küche stehen. Das Vergessen war diesmal schwerer.

Kategorie Geschichten, Kopf

Ich heiße Stephanie Anouk Doujak. Aus meiner Abschlussarbeit über Nachhaltigkeit im Alltag und Medien Kommunikation ist dieser Blog geworden, mit dem ich mir auch einen großen Traum erfülle und hoffentlich auch dich zum träumen bringe.

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