Kategorie: Kopf

Mein Sommer

wie war dein sommer fragst du mich.
nickend und nichts sagend reden wir am gang.
der sommer wird von zeit zu einem ort, meinem ort denn du nie betreten wirst.
einem ort voller leben, sonne und lachen und weinen. ein ort an den nur mein sommer-ich und meine sommer-menschen gehören.
an deinem gesicht sehe ich wie schnell er vergangenen, aber an deinen haarspitzen auch wie ausgiebig und lang er war, der sommer.
und plötzlich sind da fristen, papier und fremde gänge voller menschen.
plötzlich sind wir wieder da, im geregelten rhythmus.
vielleicht sind unsere stifte noch vertrocknet, aber er hat uns wieder, der herbst.
die sommersprossen auf meiner nase verblassen langsam und meine füße sind das erste mal kalt.
ich trinke ingwer tee, muss gesund bleiben, sage ich, und klopfe dreimal auf den tisch.
es gibt wieder einen grund früher schlafen zu gehen, die notwendigkeit eines weckers.
schweifende sommer-gedanken verlieren ihren platz, die bahn ist voll und ich mittendrin.
das ist also das neue alte leben.
mein sommer war schön.
deiner hoffentlich auch.

HERBST 2017

Sommeretikette

es ist so heiß, dass alles platzen möchte.
die luft, die erde, genauso wie die äpfel auf der wiese.
mein kopf schwindelt vor pickigem vanillearoma, dass in den gassen hängt.
ein kind rennt mir entgegen, die sorge der mutter ist kleiner als die schwere in ihren beinen.
auf dem rücksitz schaukelt eine mineralwasserflasche, genauso ekelhaft lauwarm wie all unsere körperflüssigkeiten.
am kinn des kindes klebt das, was als erdbeer verkauft wird, rosa und klebrig.
die luft ist so süß, dass sie schon fast sauer riecht.
ein tropfen rinnt mein bein herunter und bleibt in der kniekehle sitzen, ich überlege ob meine mannerschnitten jetzt auch schmelzen, zuhause im regal.
die ganze stadt schwitzt lauthals leise, einige bäume vertschüssen sich schon in den herbst.
ich drehe die musik lauter, so als könnte sie die temperatur überdecken.
und während wien raunzend und haaas mit eisgefüllten bäuchen vor sich hin vegetiert, da pflege auch ich meine sommeretikett mit dem viertelstündlichen hinweis auf die hitze an jeden, der nicht eher flüchtet, aber wer tut das schon, bei 38,5.
hinter einem seufzer, so theatralisch wie es sich in der stadt, an der die milde arroganz von den stuckfassaden bröckelt, gehört, verstecke ich meine liebe.
meine liebe zu dieser abartigen hitze, dem gefühl dass es dir eine zelle nach der anderen wegbrennt, die gedanken so langsam wie bewegungen unter wasser, die stadt gelähmt und alles endlich nicht mehr rennt, sondern sich eine langsamkeit zugesteht und nichts außer die frage pistazie oder haselnuss oder doch zitrone einen sinn macht. / 

AUGUST 2018

Gedankenstoff

wenn sich alles in gewohnte bahnen verlaufen hat, sollte man hin und wieder bewusst anecken.
seit einiger zeit bemerke ich, dass fakten, die mich vor jahren noch aufkochen ließen, jetzt nicht mal mehr die letzte gehirnwindung kitzeln. ich habe es mir gemütlich gemacht in meiner blase, das mittelmaß lebend, versunken zwischen entscheidungsfragen, die nicht viel über mein eigenes leben reichen.
den input beschränkt auf bisschen swipen und klicken, ja nichts, was zu lange dauert, weil meine konzentraktionsspanne leichter platzt als seifenblasen.
deshalb habe ich mir jetzt vorgenommen, wieder gegen diese gedankliche faulheit anzukämpfen. mir wieder mehr als unbedingt nötig abzuverlangen, da oben, im hirnkastl drin.
und das bedeutet auch stolpern. stolpern über die eigenen gewohnheiten. ankämpfen gegen den automatischen händegriff zum iphone, weil es anfangen muss zu rattern und mein hirn schon nach einigen paragraphen zu keuchen anfängt.
kopf schütteln, weiterlesen. und irgendwann kommt dann auch der lesefluss, ach, klingeling das handy.
und doch spüre ich schon nach einigen seiten, wie neue verbindungen funken und alte langsam wieder knistern.
vor sieben jahren habe ich angefangen mich vegan zu ernähren und ja, seitdem ist auch zeitenweise wieder käse am teller gelandet. doch im großen und ganzen lassen sieben jahre eine gewohnheit wachsen. gleichzeitig muss ich mir eingestehen, dass diese begeisterung des neuanfangs, wo alles geteilt und erforscht werden will, verfliegt. nach diesen jahren, brennt es einfach nicht mehr so heiß.
deshalb scheint es auch notwendig hin und wieder etwas zu zündeln, sei es um altes aufzufrischen oder neue (gedanken)wege zu gehen oder einfach mal den kopf aus dem gemütlich glimmernden bildschirm zu ziehen.

besonders empfehlen kann ich dazu übrigens das Enorm Magazin, das ich zu weihnachten als abo geschenkt bekommen habe und seitdem sehr gerne lese oder auch die An.Schläge, die schlicht und einfach gute arbeit machen, bilden.
neben diesen print medien finden sich aber auch auf instagram gedankliche goldgruben wie zum beispiel ceremonialsofsavage . denn das anecken an gewohnheiten bezieht sich ja nicht nur auf konsumverhalten, sondern auch politik, zivilcourage und zieht seine bahnen durch jeden lebensbereich.
eine letzte anmerkung drängt sich noch auf – die zeit. die möchte natürlich auch erst mal gefunden werden. bei mir bedeutet das umschichten, prioritäten setzten, vielleicht nicht mehr abends, um die eigene realität abzuschalten in andere leben rutschen, story nach story.
fällt mir das leicht? nein, aber vielleicht schreibe ich es deshalb hier, um es festzunageln an meine virtuelle gedankenwand.
wo holt ihr euch frischen gedankenstoff?

modimidofr

selfies posten, wenn sich die gedanken gerade nicht zwischen a und z ordnen lassen wollen und quer durch die linien tanzen, das macht man doch so, nicht?
mittlerweile kann ich die tage stehen lassen, auch wenn sie liegend verbracht wurden und alles was sich vorwärts bewegt hat, der warme tee im bauch war.
wenn der regen prasselt und die luft kalt werden lässt, aber innen alles warm ist.
wenn der bildschirm den ganzen tag verflackert und niemand etwas beanstandet, weil die tage mit s beginnen.
doch was ist mit dem modimidofr dazwischen, was ist mit den tagen, die weder mit warmen papier, bewegter tastatur noch warmen herzen verleben?
was ist, wenn nicht mal die unproduktivät mit glücklich sein glänzt und es sich anfühlt wie ein reines warten auf etwas, das auch nach 00:00 nicht eintrifft?
wie kann ich diese tage stehen lassen, wenn sie doch schon so ineinander fallen?
da sein. da sein und die gedanken kreuzen lassen und manchmal lauthals haare raufen. nicht alles hat eine konklusion und schon gar nicht jeder tag.

Überüberübermorgen

und so schnell wie du deine stimme findest, so plötzlich verlierst du sie wieder und das leben greift dich im nacken und dann folgt doch nur ein klopfen auf die schulter und vielleicht ist die antwort auch einfach stille, zumindest jetzt. oder vielleicht liegt sie zwischen den stufen, die antwort, wie krümmel von flüchtigem kuchen. und dann folgt eine ahnung von wirbel überüberüberübermorgen, ein zog richtung herbst.

Sommertief und Herbsthoch

die worte bleiben im hals stecken, die beine rennen, das herz schwimmt, aber der kopf schließt die vorhänge und ich hab keine lust mehr.
keine lust mehr auf die stille, die nun schon so lang ist, dass es sich anfühlt, als müsste ich sie mit etwas großartigem füllen.
keine lust mehr alles zu zerdenken und dann nichts zu tun, weil sich alles aufbaut zu hochhäusern und meine füße schon beim gedanken an die treppen nachgeben.
wer sagt, dass da überhaupt treppen sein müssen, die zu irgendwas führen, was höher ist als das jetzt? kann es nicht einfach weitergehen, voraus und nicht immer höher und höher?
wann ist die hitze endlich wieder einfach heiß und nicht der gedanke, dass es bald wieder kalt wird?
wie oft muss ich den kopf schütteln, bis die hetze nach dem sinn herausfällt?
alles wirkt eckig und schwer und ich hab keine lust mehr auf meine eigenen ansprüche oder irgendeine richtige form oder reihenfolge.
also muss ich das schreiben ohne großen zusammenhang, einfach um, ja einfach um.
auf neues sortieren oder eben nicht.
da ist kein ende und hier auch gerade kein sinn.
äpfel sind süß und manchmal nicht und ich brauche endlich wieder den willen mehr als einen toast zu machen und mich zu (er)drücken vor dem jetzt auf grund der sorge von morgen und das geht manchmal eben nur, wenn man ihn verliert, eben diesen willen.

Warum du an Weihnachten nicht glücklich sein musst

Unsere Umwelt macht uns zu Erwachsenen, manche wehren sich besser, manche weniger dagegen. Da sind Verantwortungen, Pflichten und wenig Platz für kindliche Freude und Glaube. Man will über das viel besprochene innere Kind denken, was man möchte, aber zu den Feiertagen rührt sich etwas in vielen von uns.
Lange nachdem der Glaube an das Christkind dem Realisten, der wir nun sind, gewichen ist, lange nachdem die kitzelnde Freude von Stress und Besorgungen verdrängt wurde, versteckt sich da eine Erwartung an den großen Tag in der Brust.
Sie ist da und ich bin ihr ausgeliefert. Jahr ein, Jahr aus, ist da die leise Hoffnung auf etwas Besonderes, die Erwartung von einem Tag, der anders ist, als all die 364 in Jahr.
Sie mag sich verschieden äußern – in dem Wunsch nach Schnee, nach einem friedlichen Beisammensein, ohne die streitsuchenden Äußerungen der Familienmitglieder, in dem Wunsch nach dem endlich passenden Geschenk, das dir nur von den Augen abgelesen wurde.
Doch was liegt unter all dem? Ist es nicht der Wunsch nach einem Tag, der aus allen heraussticht, uns aus unserer Realität holt und nun endlich einmal glücklich macht?
Gerade, wenn unser Leben nicht so traumhaft läuft, wie uns das die weihnachtlichen Komödien, die wohl eher Märchen heißen sollten, vorführen, ist die Hoffnung groß.
Vielleicht wäscht sie sich aus den Knochen, sitzt nicht mehr so tief je älter wir werden, aber gerade im Übergang von Kind zu Erwachsenen ist sie präsenter denn je.

Und doch ist der 24. jedes Jahr auch wieder nur ein Tag. Ein Tag unseres Lebens, keiner Komödie entsprungen, ein Tag, der kommt und geht. Vielleicht ist der schön, sogar friedlich, aber vielleicht auch stink normal.
Vielleicht muss ich meine Aussage doch revidieren, er ist nicht gewöhnlich, sondern meist mit Druck geladen. Für sensible Menschen kann Weihnachten eine Belastungssituation nach der anderen bedeuten – die Stimmung in der Luft, der Wunsch niemanden zu enttäuschen, Päckchen mit dem vorprogrammierten Lächeln öffnen und umgeben von Leuten, klingt dann nicht gerade himmlisch.
Doch ist Weihnachten wirklich so schlimm? Nein, es ist zwar nur ein Tag, aber es ist eben nur ein Tag. Sobald wir loslassen von den Erwartungen und das ist nicht unbedingt leicht, kann er überraschend angenehm sein.
Am wichtigsten ist, das wir das Tabu brechen, an Weihnachten glücklich sein zu müssen. Ich würde einiges wetten, dass nicht alle innerlich so freudestrahlend sind, wie sie sich äußerlich geben. Man kann ja auch nicht jeden Tag glücklich sein, manche Tage sind dunkler als andere und das ist auch okay so. Und, nur, wenn dein unglücklicher Tag nun auf den 24. fällt, bist du kein Verlierer. Unser weihnachtlicher Gemütszustand ist kein Spiegel für unseren Erfolg im Leben. Ob du nun feierst oder nicht feierst, allein oder nicht allein bist, sagt nichts über deinen Wert aus.
Wie pessimistisch dieser Blogpost auch klingen mag, sein Sinn ist nicht, euch das Lametta vom Baum und das Lächeln aus dem Gesicht zu stehlen, sondern euch die frohe Kunde zu bringen, auf die ich selber viel zu lange gewartet habe. Freude ist nicht erzwingbar – sie kommt so überraschend wie Regen.
Eine Trockenperiode heißt nicht, dass es morgen nicht schütten kann.
Also – da sind noch 364 andere Tage im Jahr und ich wünsche dir von Herzen, dass es oft Freude auf dich regnet.
Meist kommt sie überraschend und es liegt an uns, sie wahrzunehmen, genauso wie wir es auch mit Traurigkeit tun sollten.
Und wer weiß – ist der Stress und die Erwartungen verschwunden, vielleicht ist der 24. nächstes Jahr dann triefend nass vor Glück.

Ich habe dieses Jahr versucht, meine eigene Empfehlung wahrzunehmen – tun wir das denn nicht viel zu selten – und wir hatten ein ruhiges Fest. Ich habe die Gedanken weggeschoben, wie es wohl wäre eine große Familie, dies oder das zu haben und einfach das getan, was ich gerne tue – gekocht und einen Spaziergang gemacht. Über Wien zog sich ein wunderschöner Himmel und sobald ich ein kleines technisches Problem gelöst habe, füge ich hier Bilder ein. Das Essen war auch gelungen – mehr dazu bald.
In diesem Sinne wünsche ich euch fröhliche, traurige oder stink normale Feiertage, wie immer sie auch kommen.

Alles Liebe,
Stephanie

PS: Nach einem kräftezehrenden Herbst habe ich das Schreiben schon vermisst, sonst würde ich nicht am ersten ruhigen Tag mir Wörter aus den Fingerkuppen ziehen. Ich merke aber auch, wie ich aus der Übung bin. Mehrere Beiträge folgen dann ab Februar.

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Die Schatten schneiden Linien in die Blätter

gedanken im filigranen spiel der baumkronen.
die schatten schneiden linien in die blätter.
der wind wäscht töne aus den blättern,
es rauscht,
rieselt.
sie wuseln durch die luft,
die kleinen nahezu plappernd, sprudelnd,
die alten erzittern nur gelassen.
alles, nur um im nächsten moment
statisch zu harren,
als wäre es nie gewesen,
du nur verträumt.
der teich spielt schatten –
sie wallen,
fallen so weich flirrend
über das schilf.
auch die wiese tanzt,
ständig wandelnde mosaike werden auf sie geworfen.
und ich,
ich sitze einfach nur da.

Urlaubsgedanken aus La Gomera

Sonnige und meersalzige Grüße und Gedanken aus La Gomera!

29. Juli

heute geht es los, weg und hin.
weg von wien, hin auf eine spanische insel.
dort erwartet mich nichts.
kein fancy hotel oder sandstrand, keine restaurants oder läden.
wlan oder empfang – eine seltenheit.
und doch erwartet mich alles.
all das meer, all die mangos und sonnenstrahlen.
und manchmal ist das nichts, alles.
alles was wir zum glück brauchen. /
a different kind of luxury.

30. Juli

the in between /
zwischen hier und dort,
noch nicht ganz weg, noch nicht ganz da.
irgendwo in der schwebe.
um mich – gewusel.
so viele emotionen clashen aufeinander,
vorfreude, heimweh, angst, vermissung,
all das scheint den flughafen fast zum überlaufen zu bringen.
und ich mitten drin, schwimmend, ertrinkend in meinen und den gefühlen der anderen,
die ich mich eindringen ohne vorher zu fragen.
so viele blicke streifen sich, abwesend, neugierig, peinlich berührt.
ein kind schreit. ein herr faltet seine zeitung und hustet einmal kräftig.
schon beim betreten trifft einen die luft, die es sonst nirgendwo gibt.
leises rauschen dröhnt in meinem kopf.
please fasten your seat belt.
dann das abheben.
der magen flimmert.
das herz scheint sich für eine sekunde wie eine brausetablette aufzulösen.
stunden wie fester kaugummi.
über denn wolken, kein entkommen.
die gefühlt langsamste schnelligkeit.
cabin crew prepare for landing.
das meer breitet sich vor meinen augen aus,
das herz hüpft.
we wish you a pleasant stay.
unruhe, jeder will raus, keine minute verlieren.
erleichterung.
die feucht warme luft ist wie eine wand.
trittst durch sie, beginnt der urlaub.
ich bin da. körperlich.
noch zuhause. gedanklich.
es scheint als würde mein inneres nicht mit der geschwindigkeit mithalten können und irgendwo festhängen.
erst stück für stück setzt sich wieder alles zusammen.
bis ich da bin. ganz da.

31. Juli

ein määh weckt mich. komisch wie wir menschen tierlaute transkribieren.
nun, ziegen. und das vor meinem fenster.
mehr und mehr gerausche dringen in mein langsames aufwachen.
ein alter ventilator zieht surrend seine runden über meinem kopf.
gibt es etwas schöneres, als zwischen schlaf und tag zu verweilen, wenn nichts drängt ?
frühstück. klebrige mangohände. das meer.
dann suche ich wlan, bekomme einen zettel.
username, passwort – enter.
nichts. enter.
instagram, mein text, bild.
ich bin ein harmoniebedachter mensch, aber warum verfickt lädt jedes verdammte bild zehn minuten. gedankliches haareraufen. aaaaah.
okay, einatmen.
ich kapituliere.
tue das warum ich hier bin. nichts.
liegen. lesen. lesen. lesen, lesen. liegen.
meeresrauschen macht mich emotional.
es schwappen wellen, um und in mir.
nach drehen und wenden – mittagessen.
das leben kann so hart sein.
dann ? lesen. ziemlich unbequem dieses stück plastik, die liege.
über steine geht es dem blau entgegen.
balance is key. as always.
warum ist es eigentlich am strand völlig okay, einfach nichts zu tun, doch zu hause ist man der faule sack und verschwendet sein leben?
wasser, ich fühle mich leicht. das salz trägt mich, oder fett schwimmt einfach oben auf. wie auch immer.
ich weiß, dass nasse haare nie so sexy aussehen, wie man denkt. verschwinde in die dusche.
spaziere ein stück den berg rauf – wieder kein netz. wie ein süchtiger starre ich auf den bildschirm bis ein elendiges E auftaucht. gibt es etwas schlimmeres als kein internet? ja, langsames. aggression vorprogrammiert.
abendessen. ich sitze zwischen zwei gesprächen, kann mich nicht entscheiden und sage dann gar nichts.
eine bar. wie armselig muss ich aussehen – do you want to sit with us? okay. small talk.
ich ? keine ahnung wo ich mit meinem leben hin will. history and politics. london. medizin irgendwas freiburg. aha.
tanzen. wakelnde arme, hüpfende knöchel.
wenn die paare verschwinden, ist es zeit zu gehen, alleine rumstehen, das muss nicht sein.
jeder mensch hat das recht auf würde.
dunkle salzige luft.
das surren des ventilators.
stille. ein paar grillen. willkommen auf la gomera.

1. August

war heute bei yoga mit volker.
habe losgelassen beim klang von kristallen, meinen elektromagnetischen fluss gefördert und die rolle der schönheit gemacht.
habe delfin, adler und krokodil geübt.
scheiße, ich war der ganze zoo, mann!
bin jetzt ziemlich erleuchtet.
musst dafür nur eeeentspann dein beeeecken machen.
damit ihr es wisst: alle wesen sind glück, zufriendenheit und schönheit.
und alles was dir geschieht isch rischtig für disch.
nächstes mal dann lachyoga mit ulrike.

2. August

ich fühle mich schlecht, weil es mir gut geht. paradox.
vergleichen macht unglücklich, du weißt das und ich auch. aus eigner erfahrung.
so fühlt es sich falsch an, hier all das „sonne, meer, mangos“ abzuladen, wenn die meisten die es lesen irgendwo arbeiten müssen.
ich möchte nicht, dass sie sich traurig fühlen.
doch vielleicht ist das um zu viele ecken gedacht.
also habe ich beschlossen, einfach das glück zu genießen und hier zu teilen, denn es währt ja nicht ewig.
ich wünschte ich könnte euch ein paar sonnenstrahlen und mangos vorbei schicken.
denn es ist auch okay mal glücklich zu sein, genauso wie traurig und das sollte nicht davon abhängen wie traurig oder glücklich andere sind.
eigentlich hat das nichts mit dem standort zu tun. ich war schon an den bezauberndsten orten sehr traurig und zuhause furchtbar glücklich.
wir sollten wieder lernen uns mit anderen zu freuen, ich weiß das ist manchmal schwierig, wenn man in einem loch sitzt. und manchmal geht es einfach nicht und ist auch okay.
dabei sollten wir nie vergessen, dass in den paar zentimentern bild nur eine halbe wahrheit liegt. //

what terrifies me most is how we
foam at the mouth with envy
when others succeed
but sigh in relief
when they are falling.
our struggle to celebrate each other is
what’s proven most difficult
in being human.
@rupikaur_

3. August

postkarten sind so eine schwebe in zeit und raum. du schreibst sie so im moment, wie sonst keine nachricht und trotzdem kommt sie erst tage später an, wenn sie schon fast vergessen ist.
ein zeichen aus den urlaub, ich hab an dich gedacht.
von einem kleinen gruß bis worten die den rahmen sprengen. ein schnörkeliges hallo.
leicht salzig von der meerluft und mit mangoflecken verseht landet sie dann in einem postfach.
es kean afoch mehr postkartn gschriebn!

5. August

sonne unter der haut /
der salzige wind wäscht die sorgen aus /
die hitze brennt die zweifel fort /
das meer rieselt im nacken /
der körper so voller wärme,
dass abends die haut glüht /
innere ruhe/
alles ist leicht

7. August

ich versuche,
versuche das glück
tief einzuatmen,
die sonnenwärme
in jede einzelne zelle einzufangen,
die salzige luft
tief in meine lunge zu inhalieren
die intensität der abendlichen oleanderfarbe
in gedanken zu speichern
die ruhe der sterne
in mir zu halten
den optimismus von romanen am strand
zu sammeln und festzuhalten
die zukunftsfreude nicht in angst schwappen zu lassen.
solange ich hier bin, ist alles vergessen,
alles gut.
denn ich weiß,
weiß wie dunkel die wintermonate sein können,
wie tief die kälte kriecht.
doch jetzt, jetzt ist alles gut.

8. August

über mir die schwärze. kleine lichtsprenkel.
der mond scheinbar kühl und rau.
diese weite, über meinem kopf, die so oft verloren geht.
diese weite, wenn alles sich wieder relativiert, ich da stehe – klein.
wenn alles einen bedeutungswandel erfährt, alles wieder zurecht gerückt.
eine bahn breitet auch vor mir aus, eine zukunftsidee.
das herz pocht.
das vertrauen wieder aufgeladen.
je schwärzer die luft sich färbt, konturen verwaschen von der nacht, desto klarer wird so einiges.
der nacken starr, ein vogel kreischt, mein
blick senkt sich langsam.
ich werde wieder darauf vergessen,
was nichts daran ändert, dass es da oben wartet, da ist.

11. August

ich habe gestern zwischen abschied und vorfreude verbracht.
der abreisetag naht und stellt alles auf den kopf, so wie die anreise.
so habe ich jedes stückchen in mich aufgesogen, mich in die wellen geschmissen, die salzige luft legte sich auf meine haut, die gedanken schon nicht mehr ganz da.
einfach mal offline gewesen.
abends dann in den himmel gestarrt, die sterne bestaunt und einfach still gewesen.
barfuß getanzt bis der muskelkater kam, gelacht und dann mit blasen an den füßen spät zu bett gegangen.
abschiede machen alles intensiver, jeder moment scheint so wertvoll.
doch trotzdem ist da auch vorfreude, freude auf die stadt und veränderung.
die reise geht weiter.

12. August

Mittlerweile bin ich in London angekommen und schicke euch auch von hier liebe Grüße –  Bericht folgt!